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"Westen ist inmitten eines Schattenkrieges"

Iran(c) AP (Vahid Salemi)
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Interview: Yossi Melman, Geheimdienstexperte der Zeitung „Haaretz“, sieht einen „Krieg“ westlicher Geheimdienste gegen den Iran, „der im Verborgenen geführt wird".

Die Presse: Vergangenen Samstag tötete eine Explosion den iranischen „Raketen-General" Hassan Moghaddam. Trägt der Vorfall die Handschrift des Mossad?

Es kann, wie die Iraner sagen, tatsächlich ein Unfall gewesen sein. Es kann sich aber auch um eine verdeckte Operation eines ausländischen Geheimdienstes handeln. Man muss dabei nicht nur an den Mossad denken, es gibt zahlreiche Dienste im Westen, die an Sabotage-Versuchen gegen Irans Atom- und Raketenprogramm beteiligt sind. Auffällig ist, dass es in den vergangenen Jahren zumindest drei Explosionen in Raketen-Basen der Revolutionsgarden gab. Sollte es eine Geheimdienst-Operation gewesen sein, dann hat sie jedenfalls nichts mit den aktuellen Diskussionen zu tun. Denn für eine solche Aktion braucht man monatelange Vorbereitung und Planung. Im übrigen könnte auch eine lokale Gruppe dahinterstecken.

Arbeitet der Mossad mit solchen lokalen militanten Gruppen wie den Volksmujaheddin zusammen?

Man sollte nicht immer so auf den Mossad fixiert sein. Die Iraner haben etwa den britischen MI6 und die (iranische militante Gruppe; Anm.) Jundallah beschuldigt, zusammenzuarbeiten. In der Vergangenheit hat es auch öfter geheißen, dass westliche Dienste sich der Volksmujaheddin bedienen. Ich wäre über eine solche Kooperation jedenfalls nicht besonders überrascht.

Wie erfolgreich waren die westlichen Dienste dabei, Irans Atomprogramm zurückzuwerfen?

Es gab einige Erfolge. Aber niemand gibt sich der Illusion hin, dass die Iraner deshalb ihr Atomprogramms stoppen werden. Der Westen ist inmitten eines Schattenkrieges: von Zeit zu Zeit sehen wir ihn schlaglichtartig an die Oberfläche kommen und realisieren, dass da etwas im Gange ist. Ich glaube auch, dass das so weitergeht - und dass die Iraner darauf antworten werden. Ich bin sicher, dass sie das schon in der Vergangenheit versucht haben, bisher aber gescheitert sind.

Was kann dann Irans Atomprogramms stoppen?

Der Westen müsste aufhören, mit dem Iran zu handeln, man müsste den Öl-Export mit Sanktionen belegen und aufhören, Raffinerie-Produkte in den Iran zu exportieren. Wenn Sanktionen die Bevölkerung treffen, dann ist das der Führung weitgehend egal. Die schert sich nicht darum, es lebt bereits die Hälfte der Bevölkerung in Armut, oft ohne fließend Wasser und Elektrizität. Wenn man aber die Elite zu treffen versucht, dann könnte die vielleicht ihre Meinung ändern und zu dem Schluss kommen: Das ist es nicht wert.