Freund, Feind, Parteifreund

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Mögen in der Linkspartei auch die Tauben turteln: Der Wappenvogel der Politik ist und bleibt der Streithahn.

Waren Sie auch so gerührt ob der TV-Bilder vom jüngsten Parteitag der saarländischen Linkspartei? Als Leider-doch-nicht-Bundeskanzler Oskar Lafontaine vom Podium sein Verhältnis zu Mensch-die-sieht-doch-wie-Rosa-Luxemburg-aus-Sahra-Wagenknecht verkündete? Fast hätten wir uns der Hoffnung hingegeben, es gehe innerhalb politischer Parteien doch nicht so machiavellistisch zu, wie oft behauptet. Steigt der Grad der Abneigung also doch nicht entlang der Achse Freund-Feind-Parteifreund?

Doch dann nahmen wir in Straßburg an einer Pressekonferenz der Grünen teil. Es wurde ein Interview mit dem grünen Säulenheiligen Joschka Fischer erörtert, in dem er aufgerufen hatte, die EU der 27 zu vergessen. „Ich war erschüttert über dieses Interview“, sagte Rebecca Harms, Fraktionschefin im Europaparlament. „Da muss er schon ein Gefühl dafür haben, dass man mit solchen Pirouetten das, was in Europa über Jahrzehnte aufgebaut wurde, über Nacht mit dem Arsch wieder umreißt.“

Glauben Sie aber bitte nicht, dass innerparteilicher Zwist nur links der weltanschaulichen Wasserscheide tobt. Ein Blick ins OTS-Archiv der Austria Presse Agentur liefert eine Aussendung der ÖVP vom 21.September über ein Treffen von christ- und sozialdemokratischen EU-Abgeordneten mit kirchlichen Vertretern. In der ÖVP-Aussendung aus der Parteizentrale hieß es: „Anlass ist der 30.Jahrestag der päpstlichen Enzyklika ,Laborem Exercens‘.“ In der ursprünglichen Fassung, die der ÖVP-Euromandatar Othmar Karas verschickte, war derselbe Satz um folgenden Zusatz länger: „ ...in der sich die katholische Kirche für einen ,Vorrang der Arbeit vor dem Kapital‘ ausgesprochen hat.“

Eine große Freundschaft wird das wohl nimmer.

E-Mails an:oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2011)

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