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Turbulenzen: "Goldschwäche nur kurzfristig"

Symbolbild
(c) REUTERS (YURIKO NAKAO)
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Der Goldpreis hat zuletzt den Rückwärtsgang eingelegt, die Preisrelationen zu Silber und Platin spielen verrückt. Alles in allem rechnen Experten aber mit einer Fortsetzung der (Edel-)Metallrallye.

Wie aussichtsreich sind derzeit Rohstoffinvestments – speziell solche in Metalle? „Trotz der jüngsten Korrektur wird die Nachfrage nach Rohstoffen mittelfristig steigen“, meint etwa UniCredit-Rohstoff-Analyst Jochen Hitzfeld.

Vor allem von „milliardenschweren Infrastrukturprojekten“ in den Schwellenländern erwartet er etwa für Kupfer Auftrieb. Dieses gilt als reines Industriemetall, seine Preisentwicklung ergibt sich vor allem durch die Nachfrage aus China. Rund 40 Prozent des weltweiten Verbrauchs entfallen auf das Reich der Mitte, das selbst kaum Kupfer fördert und den gesamten Bedarf importieren muss. Der aktuelle Preis sei von den Höchstwerten von 2008 weit entfernt, so Hitzfeld, habe sich aber seit Anfang 2009 mehr als verdoppelt.

Grau-weiße Alternative

Platin verteuerte sich von Oktober 2008 bis Ende August 2011 von 752 auf 1918 US-Dollar (plus 154 Prozent). „Der überwiegende Teil der Kurssteigerung ist auf den Hybridcharakter des Platins zurückzuführen. Sowohl sicherheitsorientierte als auch spekulative Investoren weiteten ihr Engagement aus, was in eine veritable Rallye mündete“, analysiert „Rohstoff-Report“-Chefredakteur Jochen Stanzl. Allerdings sank der Platinpreis zuletzt unter jenen von Gold, was in den vergangenen zehn Jahren nur zwei Mal passiert war. Nach Einschätzung von Experten des britischen Chemieriesen Johnson Matthey wird dieser seltene Preisabschlag im vierten Quartal anhalten und sogar auf einen historischen Höchstwert ansteigen. Grund sei die industrielle Nutzung: Platin wird zu 58 Prozent, Gold hingegen nur zu zwölf Prozent für die Industrie benötigt. Platin könnte erst wieder Fahrt in Richtung der alten Höchststände von mehr als 2000 Dollar im Jahr 2007/08 aufnehmen, wenn die weltweite Konjunktur an Fahrt gewinnt. „Private Investoren sollten vor diesem Hintergrund eine Stabilisierung des Platinpreises abwarten“, empfiehlt Stanzl.

Silber ist ebenso wie Gold ein monetäres Metall, jedoch mit wesentlich höherer industrieller Bedeutung, vor allem für alternative Energien, Medizintechnik und Kläranlagen. Deshalb tendiert Silber eher während eines Konjunkturaufschwungs zu Outperformance, während sich Gold in Stressphasen besser entwickelt. „Wenn man sich das langfristige Verhältnis des Gold- zum Silberpreis seit 1688 ansieht, errechnet sich eine Relation von 15,7:1“, berichtet Erste-Group-Rohstoffspezialist Ronald-Peter Stöferle. Dies deckt sich in etwa mit dem Verhältnis der physischen Bestände: Silber kommt in der Erde ungefähr 17-mal häufiger vor als Gold. Das aktuelle Preisverhältnis lautet allerdings 52:1, längerfristig sollte es sich laut Stöferle auf 40:1 einpendeln.

„Ich persönlich halte nichts von Relationsbetrachtungen, weil sie in Zeiten der Krise neu bewertet werden müssen“, meint allerdings Ulrich Baumann, Volksbank-Fondsmanager- und Rohstoffspezialist. Er mahnt mittelfristig zur Vorsicht: „Ich fürchte, mit abnormen Relationen zwischen Gold und Silber, aber auch von Gold zu Platin müssen wir auf längere Sicht leben.“

Der Goldpreis erreichte Mitte November mit 1900 US-Dollar ein Allzeithoch, danach verlor er zeitweise bis zu 15 Prozent. „Er ist in den zurückliegenden Monaten einfach zu schnell gestiegen. Mit 1900 Dollar lag er rund 17 Prozent über dem 100-Tage-Durchschnitt“, analysiert Hitzfeld. Als 2009 ein ähnliches Niveau erreicht wurde, gab Gold um 16Prozent nach und legte erst nach einer halbjährigen Korrekturphase wieder zu. „Mit dem Höchststand wurde ein Kursziel erreicht, das viele Marktbeobachter im Visier hatten. Außerdem wurde der Goldkauf zuletzt erschwert, weil die Händler, die über den Terminmarkt handeln, höhere Sicherheitsleistungen hinterlegen müssen“, so Hitzfeld. Das kostet viel Geld, weshalb sich viele derzeit mit Goldkäufen zurückhalten.

„Goldschwäche nur kurzfristig“

Gleichzeitig profitiert Gold aber von negativen Realrenditen, wie sie derzeit auf dem Markt herrschen. Darüber hinaus stocken Investoren und Notenbanken ihre Reserven auf. Mittel- bis langfristig könnte es also mit dem gelben Metall – wie auch mit den anderen Rohstoffen – durchaus weiter aufwärtsgehen. „Ich bin überzeugt, dass es sich bei der derzeitigen Goldschwäche nur um ein kurzfristiges Phänomen handelt und wir mittelfristig ein All-Time-High von 3000 Dollar sehen werden“, meint Baumann. Auch kurzfristig sieht er Aufwärtspotenzial: Das vierte Quartal des Jahres sei die traditionelle Hochzeitssaison in Indien, das sollte die Kursentwicklung beleben.

Als Veranlagung muss man edle Metalle aber nicht unbedingt physisch erwerben. Bei der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) Österreich etwa können Privatanleger über sogenannte „Edelmetallkonten“ in Gold, Silber, Platin und Palladium investieren. Der Investor erwirbt eine von ihm festgelegte Menge der gewünschten Metalle zum aktuellen Tageskurs, diese wird dem in Feinunzen geführten Konto gutgeschrieben. Der Wert des Guthabens entwickelt sich entsprechend der jeweiligen Preisentwicklung. Die Konten sind, so LLB-Vorstandsmitglied Robert Löw, „eine spesengünstige Alternative zu Goldinvestments“, allerdings beträgt – außer bei bestehenden LLB-Kinden – das Mindestinvestment 100.000 Euro. Die Bank bietet auch den physischen Kauf von Gold und Silber in Barrenform mit Lagerungsort Liechtenstein an, dafür fallen allerdings 20 Prozent Mehrwertsteuer an. Ohne hohe Einstiegshürden kann man in ein von der Erste Group aufgelegtes Silberaktien-Basket-Zertifikat investieren. Man partizipiert damit an der Wertentwicklung von zehn kanadischen Silberaktien, die Laufzeit beträgt fünf Jahre.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2011)