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Frank Stronach krempelt die Ärmel wieder auf

(c) REUTERS (STRINGER/AUSTRIA)
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Der austro-kanadische Milliardär Frank Stronach propagiert die "geistige Revolution" in Österreich: Für den Reformdialog mit Universitäten spendiert er jede Menge Geld. Und ein "Thinktank" ist auch schon gegründet.

Er hat so etwas wie eine magische Anziehungskraft: Donnerstagabend, im Kuppelsaal der Technischen Universität Wien. Der Austro-Kanadier Frank Stronach hält einen Vortrag. Der 430 Quadratmeter große Saal ist bis zum letzten Platz gefüllt.

Er hat Zeit: Frank Stronach hat sich schon lange aus dem operativen Geschäft des von ihm gegründeten Kfz-Zulieferers Magna zurückgezogen.

Er hat Geld – und das nicht zu knapp: Frank Stronach ist Milliardär. Nicht zuletzt deshalb, weil er auch im vergangenen Jahr die Kontrolle über den Konzern verkauft hat.

Anziehungskraft, Zeit, Geld. Was macht man damit? Was macht Frank Stronach damit? Zunächst macht sich der 79-Jährige einmal so seine Gedanken: „Ich mache mir sehr große Sorgen“, sagt er im Gespräch mit der „Presse“. „Sorgen um die Weltwirtschaft, um Europa und vor allem um Österreich.“ Und: „Ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich bei der Lösung der Probleme behilflich sein könnte.“

Und da ist ihm doch glatt etwas eingefallen. Er will in Österreich eine „geistige Revolution“ ausrufen, wie er sagt. Sprich: Er will politisch etwas bewegen. Stronach: „Wir brauchen die Hoffnung, dass es andere Strukturen geben kann.“

Eine neue politische Partei, wie viele mutmaßen? Das wird's eher nicht werden, wiewohl Stronach lange Zeit mit der Idee geliebäugelt hat. „So wie die Regierungen bisher gemanagt haben, geht das nicht weiter“, sagt er, „das führt uns in den Abgrund. Aber die Politiker können offenbar nicht anders, weil sie in den bestehenden Strukturen gefesselt sind.“

Trotzdem – vorerst keine eigene Partei: In den vergangenen Monaten hat er mit etlichen prominenten und politisch versierten Wirtschaftstreibenden des Landes Gespräche geführt. Der wortgewaltige Notenbank-Präsident Claus Raidl war einer von ihnen, der Präsident des ÖVP-nahen Management Clubs und frühere steirische ÖVP-Landesrat Herbert Paierl ebenso. Karl Sevelda, einst Mitbegründer des Liberalen Forums und Vorstand der Raiffeisen Bank International, wird in dem Zusammenhang auch genannt. Sie haben dem Milliardär allesamt von der Gründung einer eigenen Partei abgeraten – wegen mangelnder Erfolgsaussichten. Jetzt stellt sich Stronach also auf den Standpunkt: „Wenn es in Österreich zu einer neuen Partei kommt, die kultiviert ist und mehr Demokratie verspricht, dann werde ich sie unterstützen.“ Von sich aus will er da keine Initiative ergreifen.

Was nicht bedeutet, dass er nicht anderweitig ausgesprochen umtriebig wäre. Und spendabel. Frank Stronach hat in den vergangenen Monaten in Österreich einiges auf die Beine gestellt. Sein politisches Engagement nimmt schön langsam Gestalt an.

Dazu setzt er zunächst „bei den jungen Leuten“ an. Stronach: „Ich will ihnen sagen: Denkt nach, überzeugt andere, nehmt eure Zukunft in die Hand.“

Was es freilich nicht zum Nulltarif gibt: An der Uni Graz hat er kürzlich die „Frank Stronach Forschungsgruppe für gesellschaftliche Fragen“ ins Leben gerufen, auf der TU Wien detto, demnächst folgt die Wiener Wirtschaftsuniversität. Sie alle bekommen 100.000 Euro pro Jahr (vorerst auf zwei Jahre fixiert). Das Ziel der Übung: „Ich werde an den Universitäten drei- bis viermal im Jahr Vorträge halten und mich Diskussionen stellen.“ Frei nach dem Motto: „Ich stelle mich zur Verfügung. Befragt mich.“

Und das ist ihm 25.000 Euro pro Vortrag wert? Mitnichten. Im Zuge der Diskussionsabende werden an den Universitäten Arbeitsgruppen entstehen, die Modelle für diverse wirtschaftspolitische Anliegen Stronachs entwerfen sollen. So weit jedenfalls der Plan.

Die Saat ist jedenfalls ausgebracht: Am Mittwoch hielt Stronach einen Vortrag an der Uni Graz zum Thema „Wohlstand schaffen und gerecht verteilen“. Am Donnerstag war das Thema an der TU Wien „Flat Tax und Schuldenabbau“.

Doch weil ein Frank Stronach immer gerne auf Nummer sicher geht, soll natürlich nicht bloß bei den Universitäten angesetzt werden. Er ist gerade dabei, einen größer angelegten, schlagkräftigen „Thinktank“ ins Leben zu rufen. Der soll nach US-Vorbild professionell aufgebaut werden und Reformideen weitläufig vermarkten. Am Online-Auftritt des „Thinktank“, den Stronach lieber als „Do-Tank“ bezeichnet, wird gerade emsig gearbeitet.

Für den „Thinktank“ hat der Unternehmer vor wenigen Wochen das „Institut für sozioökonomische Gerechtigkeit“ gegründet und als Verein eintragen lassen. Dort sollen alle möglichen Personen „andocken“, die in dem Land wirtschafts- und gesellschaftspolitisch etwas weiterbringen wollen, die reformorientiert sind. Wer das sein könnte, will Stronach noch nicht sagen: Es habe zwar schon ein paar Treffen gegeben, noch sei es aber zu früh, Namen zu nennen.

Fix ist hingegen, wie „Die Presse“ in Erfahrung bringen konnte, die Geschäftsführung des „Thinktanks“. Den Part übernimmt Barbara Kolm-Lamprechter, Generalsekretärin des Hayek-Institutes – ein Wirtschaftsforum, das marktwirtschaftliche Lösungen entwickelt. Benannt nach dem österreichischen Nationalökonomen und liberalen Denker Friedrich August von Hayek.

Mit den Postulaten des Frank Stronach wird Kolm-Lamprechter jedenfalls locker mit können: Der Austro-Kanadier steht für einen Abbau der Staatsschulden, für ein möglichst simples und leistungsorientiertes Steuersystem, für einen radikalen Abbau von Bürokratie. Und vermutlich wird sie auch kein Problem damit haben, dass Stronach dann und wann den Euro als „Missgeburt“ bezeichnet – wie zuletzt bei seinem Vortrag am Mittwochabend an der Uni Graz. „Die Währungsunion ist ein großer Fehler“, sagte Stronach dort. „Der Euro wird sich in ein bis zwei Jahren von selbst eliminieren.“

Bis es so weit ist, kommen aber noch jede Menge Euro aus der Privatschatulle des Frank Stronach: Insidern zufolge wird der Thinktank etwa zwei bis drei Millionen Euro pro Jahr kosten. Und die Finanzierung einer allenfalls daraus entstehenden Partei? Stronachs Weggefährten erzählen, dass er an die 20 Millionen Euro für so ein Projekt für sich budgetiert habe.

Er selbst will sich offiziell auf keine Beträge festlegen. „Geld ist genügend da“, sagt er bloß. Lächelnder Nachsatz: „Etliche Millionen.“

Zur Person

Frank Stronach wurde 1932 in Kleinsemmering bei Weiz geboren. Nach einer Lehre als Werkzeugmacher wanderte er 1954 nach Kanada aus, wo er den Kfz-Zulieferer Magna International gründete. Heute ist Magna ein Konzern mit über 24 Mrd. Dollar Umsatz und 74.000 Mitarbeitern. 2010 hat Stronach die Kontrolle des Konzerns abgegeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2011)