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Am "Konservatorium" wird alte Tradition modern

Musik-Unterricht in Wien? Was an grundlegender Vermittlung in den Schulen fehlt, wird im Spitzenfeld von den Jungen eingefordert.

Viel wird geklagt über das Verschwinden der musischen Bildungsinhalte an unseren Schulen. „Warum nicht auch einmal etwas Positives?“ fragt Ranko Markovic, Direktor der Privatuniversität Konservatorium Wien. Sein Institut, am anderen Ende der Anspruchs-Skala angesiedelt, kann eminente Erfolge aufweisen, internationale Engagements der Absolventen und ein wahrer Preisregen für Studierende, die an Wettbewerben teilnehmen.

„Wir agieren antizyklisch“, sagt er, „denn in der Regel schrauben die Hochschulen die Anforderungsprofile herunter. Bei uns hingegen votieren sogar die Studentenvertreter immer wieder für Verschärfungen. Wir haben eine Einschreibgebühr eingeführt um Blindgänger zu vermeiden und können daher genau sagen, wie viele Menschen bei uns wirklich studieren wollen.“

Das ist immer noch eine ansehnliche Anzahl – und wie es mit Absolventen weitergeht, wird dokumentiert: 2010 war der Katalog 120 Seiten dick!

Den oft gehörten Vorwurf, Wiener Kulturausbildungsstätten würden vorrangig von Ausländern genutzt, verweist Markovic in den Rang der Legenden. Ganz abgesehen von Staatsbürgerschaftsnachweis und Einbürgerung: „Bei uns gibt es nur eine Unterrichtssprache. Und die ist Deutsch. Daran sind schon Berufungen von Lehrkräften gescheitert!“

Mit Chauvinismus hat das im Übrigen gar nichts zu tun. Wenn ein Student eine Masterarbeit in einer anderen Sprache abgeben möchte, dann spricht nichts dagegen: „Das geht auch in Chinesisch, vorausgesetzt, es findet sich ein Betreuer, der dieser Sprache mächtig ist.“

Dass das Anforderungsprofil für Konservatoriums-Studenten heute höher ist denn je, hat etwas mit dem Leistungsdruck derer zu tun, die die Musik zu ihrem Beruf machen wollen. „Früher haben sich viele der Musik nebenbei gewidmet. Zahnärzte oder Juristen, die heute, sagen wir, 70 Jahre alt sind, haben mehr Klavier gespielt als ihre jüngeren Kollegen.“ Heute ist das Hobby-Musizieren „ein interessanter Markt, der zunehmend boomt“, sagt Markovic, „aber dafür gibt es private Erwachsenenprogramme oder die Volkshochschulen.

Wer aber an der Privatuniversität studieren will, der muss sich seiner Sache mit Haut und Haar widmen. „Wenn er nicht ans Ziel kommt, ist ja die Studienzeit für ihn verloren. Insofern ist es ganz logisch, dass gerade die Studierenden Druck in Richtung Professionalisierung ausüben!“

Die herrschende Tendenz kann daher nur mit dem Wort „Spitzenförderung“ beschrieben werden. „Elitebildung“, ergänzt Markovic, „darf man nicht sagen, wäre auch nicht korrekt. Die Gründer des Vorläufer-Instituts – noch zur Zeit der Monarchie – beabsichtigten Spitzentalente aus allen sozialen Schichten zu fördern, unabhängig von Geschlecht, Rasse, bürgerlicher Zuordnung etc.“

Zu 95 Prozent von der Stadt Wien finanziert, als „finanziell niederschwellige Privatuniversität“ ist man der Gründungsidee gar nicht untreu.

 

E-Mails an: wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2011)