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„Tannhäuser“: Prolongiertes Wagner-Glück in der Staatsoper

Symbolbild
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Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst macht die problematische Inszenierung Claus Guths musikalisch zur Sternstunde. Was in Wien derzeit im Repertoire gezeigt wird, schaffen anderswo nicht einmal Festspiele.

Wagner-Verehrer, die die Wiener Staatsoper besuchen, schweben im siebenten Himmel und kommen derzeit aus dem Schwärmen nicht heraus. Auf den allseits bestaunten „Ring des Nibelungen“ folgt ein Tannhäuser, exzellent besetzt und vom Orchester dank der Souveränität von Franz Welser-Möst extrem klangschön und mit Animo musiziert. Was in Wien derzeit im Repertoire gezeigt wird, schaffen anderswo nicht einmal Festspiele.
Schon die Ouvertüre würde den Besuch der Vorstellung lohnen, stringent gesteigert, ohne vom reichlich ausladenden Pathos des Pilgerchors überrollt zu werden, flirrend und in tausend Farben schillernd die Venusberg-Musik: ein romantischer Klangtraum voll aufregender Bilder.

Liebe und Leid – auf die Spitze getrieben

Dem hat Claus Guth nur optische Psychoplattitüden entgegenzusetzen. Schon zur Premiere ausreichend diskutiert, ist längst klar, wie viel eine Transposition des Erlösungsgedankens ins Irrenhaus dem Drama schuldig bleibt: einfach alles. Alles, was musikalisch zum Ereignis wird.
Tannhäusers Seelenwirren und die intakte, floskelhaft aufgedonnerte Welt des mittelalterlichen Ritterstandes. Elisabeths Liebe und Leid, von Wagner auf die Spitze getrieben, von Anne Schwanewilms mit leuchtendem Sopran durchlitten und durchlebt, wie es lange keine Primadonna in diesem Haus mehr geschafft hat. Die Hallen-Arie, das Gebet, zwei Extremwerte vokaler Darstellungskunst, geraten zu innigen Höhepunkten einer durchwegs spannenden Vorstellung. Dem Titelhelden leiht Stephen Gould nie versiegende, in den „Erbarm dich mein“-Rufen des Mittelaktes verzehrend geballte Kraftreserven. Atemberaubend der Wechsel von der Bitternis der „Rom-Erzählung“ zur Euphorie der Wiederbegegnung mit Venus (Irene Theorin überspielt in den Fortepassagen all ihr Vibrato zuletzt mit dem Aplomb imposanter Spitzentöne).
Matthias Goerne dazu als Wolfram von Eschenbach – in einer Linie und durchaus auf Augenhöhe mit den Liederpäpsten der Fischer-Dieskau- und Prey-Generation, die diese Partie (ebenso mit kleinen Blessuren in den dramatisch aufgeputschten Momenten) schon gestaltet hat. Und Debütanten, die, mehrheitlich exzellent, den Abend zum Opernereignis runden: Herbert Lippert als Walther von der Vogelweide und der hinreißende Hirtenknabe Ileana Toncas. Sorin Colibans Landgrafen gebricht es noch ein wenig an Intonationssicherheit, doch predigt er bereits salbungsvoll. sin
Tannhäuser: 23. und 27. November.