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Gefälschte Leserbriefe zugunsten der SPÖ: Partei prüft

Bericht Faymanns Freunde schreiben
Screenshot: Faymann auf FacebookScreenshot: Faymann auf Facebook

Falsche „Freunde" schrieben auch in Printprodukten pro Faymann und Darabos. Die SPÖ distanziert sich strikt davon.

[WIEN] „Nur weiter so, Herr Darabos! Es ist höchste Zeit, dass das österreichische Bundesheer reformiert wird! Die ÖVP sollte dabei endlich ihre Scheuklappen ablegen und aufhören, sich gegen den Fortschritt zu wehren", schrieb „Christoph Huber" am 31. August in einem Leserbrief an „Österreich" (Bundesländer-Ausgabe). Derselbe „Christoph Huber", der zuletzt am 19. Oktober in „Heute" schrieb: „Es reicht! Ich kann dieses ewige Geschrei nach Studiengebühren nicht mehr hören" - nur, dass Vielschreiber „Christoph Huber", der in „Heute" sogar schon mehrmals abgebildet wurde, gar nicht existiert.

„Christoph" heißt bei der Fotoagentur David

Sein Bild ist, wie die Wiener Gratiszeitung „Heute" am Dienstag selbst aufdeckte, bei der Fotoagentur „fotolia" käuflich zu erwerben. Dort heißt „Christoph" nach „Presse"-Recherchen David, dort kommt er aus Deutschland - und sein Bild kostet, je nach Größe, 75 Cent aufwärts. Wer nicht nur, wie neben „seinen" Leserbriefen, sein Portrait sehen will: Auf „fotolia" ist David/Christoph bis zu den Beinen neben einem schnittigen Auto zu sehen. Das Bild kann dann vom Käufer zurechtgeschnitten werden.

Der Vorwurf von „Heute", das lange selbst ahnungslos gewesen sein will, und zahlreicher SPÖ-Kritiker: Die Kanzlerpartei habe offenbar Agenturfotos kaufen und Leserbriefe schreiben lassen - unter dem Namen von Personen, die es gar nicht gibt; man habe also „Stimmung" machen lassen, vorzugsweise in Boulevard- und Massenmedien von „Heute" über die „Kronen Zeitung" bis zu „Österreich". Ohnehin Medien, von denen es heißt, dass sie Kanzler Werner Faymann (SPÖ) schon nahe gestanden seien oder dass dieser dort bevorzugt Botschaften habe „unterbringen" wollen. Was das Kanzleramt aber bereits mehrfach dementiert hat.

IP-Adresse gehört der SPÖ

Fakt ist: Mehrere SPÖ-freundliche bis -euphorische Leserbriefe sind laut „Heute" und weiteren Beobachtern von der gleichen sogenannten IP-Adresse via E-Mail (etwa gmx oder hotmail) an die Redaktionen geschickt worden. Und besagte IP-Adresse gehört zur Sozialdemokratischen Partei Österreichs. „IP-Adresse" bezeichnet eine Adresse in Computernetzen, die einem oder mehreren Geräten (und damit auch Personen) zugewiesen wird, die an ein Netz angebunden sind.

SPÖ dementiert: „Nie Auftrag gegeben"

In der SPÖ selbst bestreitet man gar nicht, dass die strittigen E-Mails von falschen Leserbriefschreibern theoretisch und auch praktisch auf die IP-Adresse der Partei zurückgeführt werden könnten. Allerdings, so SPÖ-Sprecher Oliver Wagner zur „Presse": Die SPÖ (und mit ihr befreundete Organisationen) habe eine IP-Adresse, an der 800 Rechner an 110 Standorten hängen - und darüber hinaus könnte jemand auch von außen, über Webmail, ins System einsteigen und Mails verschicken. Ob es dann tatsächlich ein SPÖ-Mitarbeiter war, der hinter Leserbriefschreibern wie „Christoph Huber" und weiteren „Verdächtigen" steht (genannt werden in „Heute" etwa auch „Sabine Huber", „Lisa Huber" oder „Johann Huber"), lasse sich heute aus „datenschutzrechtlichen Gründen nicht mehr eruieren", sagt Wagner. „Es ist nicht möglich, da irgendwelche E-Mails zu lesen und zu checken, und das aus gutem Grund."

Auch SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas hatte am Dienstagmittag bereits gegenüber der Austria Presseagentur erklärt, dass es schon aufgrund des Datenschutzes nicht möglich sein werde nachzuvollziehen, ob tatsächlich SPÖ-Mitarbeiter hinter den fraglichen Leserbriefen stecken. Später sagte Rudas, sollte sich dennoch herausstellen, dass die entsprechenden Vorwürfe stimmen, werde das Verfassen von (falschen) Leserbriefen „umgehend abgestellt".

Für die Partei reiht sich die Leserbriefe-Causa in eine Pannenserie. Erst in der Vorwoche war im Magazin „Datum" bekannt geworden, dass sich auf der neuen Facebook-Seite des Kanzlers („Bundeskanzler Werner Faymann") gefälschte Profile und damit auch gefälschte (Jubel-)Postings befunden haben. So auch von (gefakten) „Faymann-Freunden", die ihre Online-Profile zum Teil mit einem gekauften Agenturbild - etwa von iStockphoto - versehen haben.

„Wollen keine falschen Freunde"

Die SPÖ und das für den Facebook-Auftritt verantwortliche Kanzleramt betonen, keinesfalls die gefälschten Profile bzw. Fake-Freunde in Auftrag gegeben zu haben - im Gegenteil: Man lehne derlei strikt ab, und man vermute sogar die politische Konkurrenz hinter der „Fan-Invasion". Parteisprecher Wagner am Dienstag zur „Presse": „Wir wollen keine falschen Freunde. Wir wollen auch niemanden, der irgendetwas fakt, auch keine Leserbriefe."

Ausschließen könne die Partei es aufgrund der technischen Gegebenheiten im Web 2.0 aber bisher leider nicht. Allerdings: „Das Einzige, was wir sicher sagen können, ist: Wir haben auf jeden Fall nie jemals einen Auftrag in diese Richtung gegeben."