Es naht die Stunde der wirklich guten Winterautos

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Der japanische Hersteller Subaru pflegt seine Eigenarten: permanenter Allradantrieb, Boxermotor auch als Diesel. Für Österreich gibt es den Impreza in gedrosselter Variante.

Den Chef von Subaru stellt man sich als Techniker vor, eher mit Bleistift hinterm Ohr als mit Maßschuh am Fuß. Auch die Marketingabteilung, so es bei Subaru überhaupt eine gibt: wahrscheinlich lauter Ingenieure in weißen Kitteln. Der Werdegang der kleinen, aber hochprofitablen Marke, wie es immer heißt, eine Tochter des Konzerns Fuji Heavy Industries aus Tokio, ist ebenso geradlinig und frei von Flausen wie ihre Autos. Als modisches Statement taugt ein Auto wie der Impreza allenfalls in WRX-Ausführung, als ziviles Rallyeauto.

Der Diesel-Impreza mit 109 PS dagegen appelliert eher an die einfachen Freuden des Bodenständigen. Dass es diese Leistungsklasse überhaupt gibt, ist der Eigenart des heimischen Marktes zu verdanken: Im Format der Kompakten mit Dieselmotor spielt die Musik zwischen 90 und 110 PS. So wurde der Zweiliter-Boxermotor von seinen ursprünglich 150 PS haarscharf auf 109 PS gedrosselt, das Drehmoment sank von 350 auf 300 Newtonmeter.

Drehen am Steuergerät

Das geht heute sehr einfach und günstig, nämlich rein elektronisch über das Steuergerät. Kein großes Geheimnis, dass sich das auch in die andere Richtung bewerkstelligen lässt: Man bezahlt – im Sinne von Kaufpreis und Steuern – 109 PS, fährt nach einem kurzen Besuch in der entsprechenden Werkstätte aber mit 150 PS herum. Es soll derlei vorkommen.

Der Motor macht aber auch in Sparvariante Spaß, und da gibt es nicht viele, von denen man das behaupten kann. Für einen Diesel ist er zunächst bemerkenswert leise. Der Boxermotor, bei dem die Kolben horizontal gegeneinander stampfen statt nebeneinander auf und ab, hat einen ruhigen Lauf, und er dreht gern hoch. Subaru ist ja die einzige Marke, die dieses Prinzip auch als Diesel verwirklicht hat, und das exzellent. Freudig zerrt der Vierzylinder schon bei niederen Drehzahlen am Auto, alle Anflüge von Anfahrschwäche vermeidend. Verbrauch? 6,5 Liter auf 100 km, das geht in Hinblick auf den permanenten Allradantrieb absolut in Ordnung.

Das manuelle Sechsganggetriebe ist eher kurz übersetzt, und da der Motor in seiner Kraftentfaltung elastisch ist und die Schaltwege schön knapp sind, fühlt sich das auch im Stadtverkehr gut an. Leider bot sich noch nicht die Gelegenheit einer Schneefahrbahn, aber Subarus Allradsystem kennt man als agil und auch einem flotten Drift nicht abgeneigt, wenn der Fahrer dazu entschlossen ist.

Das Cockpit kann man als schmucklos bezeichnen, hier hatten Ingenieure das Sagen, und nicht Innenarchitekten. Hier gibt es kein Chrom an allen Ecken und Enden, und Assistenten sucht man vergebens. Der werthaltige Eindruck rührt von guter Ergonomie und solider Verarbeitung. Wen genau das anspricht, wird die 24.990 Euro Kaufpreis leichternehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2011)

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