Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Süße Kleinformate im Test

Symbolbild
Süße Kleinformate(c) bakerella
  • Drucken

Abseits von Vanillekipferln: ein inoffizielles Institut, das Kekse testet, eine Quelle für ausgestochene Bildergeschichten, ein kugelrunder Trend.

Cake Pops. Wieder einmal scheint ein süßer Trend noch nicht in Österreich angekommen zu sein: Im angloamerikanischen Raum sind Cake Pops das Gebäck der Stunde. Kleine Kuchenkugeln, verziert zu den mitunter absurdesten Auswüchsen. Logisch, dass Sponge Bob schon lang unter den Cake Pops weilt, Shaun das Schaf ebenso und jetzt vor Weihnachten natürlich Rudolph das Rentier, etwa, wie links abgebildet, mit einem adretten Salzgebäck-Geweih.

In Londons Vorzeigekaufhäusern wie Harrods sind die Kuchenkugeln am Stiel schon seit einiger Zeit der Renner, in Deutschland sind sie bei Starbucks erhältlich (hierzulande wagte man kurz einen Versuch, nahm sie aber wegen mangelnden Interesses bald wieder aus dem Programm). Zahlreiche deutschsprachige Onlineforen widmen sich Cake-Pop-Tests sowie Backselbstversuchen. Soeben ist außerdem das erste Cake-Pops-Kochbuch auf Deutsch erschienen.

Aufwendig soll nicht nur das Dekorieren sein: Für den Teig wird Biskuit gebacken, wieder zerbröselt und mit Frischkäse, Staubzucker und diversen Aromaten verknetet. Man forme weiters Kugeln und stecke diese auf Papierstiele, wie man sie von Lollis kennt. Das alles haut den klagenden Testern zufolge nicht so hin, wie man sich das vorstellt. Dann folgt das Dekorieren. Auf bakerella.com (auch: Foto)finden sich übrigens besonders viele Cake-Pop-Vorschläge. Für die, die jetzt noch immer motiviert sind.

Ausstechparadies. Bei Isabella Urban hängen massenhaft Geschichten an der Wand: Blecherne Protagonisten ­spielen Wikingerkriege nach oder Liebesgeschichten, verwandeln Frösche in Prinzen. Wenn sie gekauft werden, werden all diese Geschichten essbar. Isabella Urban führt nämlich eine Riesenauswahl an Keksausstechern. 700 bis 800 seien es mittlerweile.

Die promovierte Juristin führt die „Kexfabrik“ nahe dem Wiener Praterstadion, neben ihrem Vollzeitjob an der Volksoper. „Begonnen hat alles damit, dass mir zu Hause ein Stephansdom gefehlt hat“, erzählt sie. Alles klar. „Also habe ich mir den einfach machen lassen.“ Der Dom bekam Gesellschaft von Sisi, dem Riesenrad und Österreich. Manche Keksformen werden nach ihren Vorgaben aus Weißblech handgeformt, andere, industriell aus Edelstahl gefertigte, zugekauft. Für weniger patriotisch Veranlagte hält Isabella Urban Ausstech-Buddhas bereit, das Dornröschenschloss oder Hello Kitty als Schokogussform. „Diese Hello-Kitty-Hysterie unter erwachsenen Frauen verstehe ich ja nicht ganz, aber bitte.“

Kürzlich ist Urbans eigenes, ziemlich witziges Kinderbuch über das Keksebacken erschienen – ohne die mundlose Katze aus Japan. Das Geschäft selbst hat bis Weihnachten geöffnet, im Onlineshop der Kexfabrik kann man freilich ganzjährig einkaufen. Anlässe für keksgewordene Geschichten gibt es schließlich das ganze Jahr.

Kekse im Test. „Ist das ein richtiger Job, Kekstesterin?“, wurde Anne Seubert schon öfters gefragt. Gleich vorweg: Mit lebensmittelchemischen Analysen beschäftigt sich die junge Deutsche nicht. Dafür aber mit den haptischen, den geschmacklichen und den herzerwärmenden Aspekten der ihr zugesandten Kekse. Das Portfolio an streng subjektiv unter die Lupe genommenem Backwerk wächst ständig, kleinere Keksinitiativen wie etwa das Wiener Label Bröselkeks von Christine Rabanser schicken Seubert ihre Produkte zum Testen. Das Untersuchen von Keksen ist aber nicht alles, was der Bloggerin aus Berlin am Herzen liegt: „Nebenbei versuche ich zum ausschweifenden Keksgenuss zu verführen, zum Aufstöbern von Keksmanufakturen, zum Selberbacken.“ Und wirklich, ihre „Nachbackliste“ ist lang. Da tummeln sich Rezepte für Fenchelpollen-Shortbread, Erdnussbutter-Blüten oder Zebrakekse.

Warum Anne Seubert zur Kekstesterin geworden ist? „Weil ich Kekse liebe und weil ich ihnen mehr Aufmerksamkeit wünsche. Meiner Meinung nach kommen sie nämlich außerhalb der Weihnachtszeit viel zu kurz.“ Und noch etwas möchte sie ihren Lesern mitgeben: „Das Leben ist viel zu kurz, um trockene Industriekekse zum Kaffee zu knabbern.“ www.kekstester.de

Kexfabrik

Dr. Natterergasse 6, 1020 Wien. Di 9.30 bis 12 Uhr, Do 18.30 bis 21, Sa 10.30 bis 16 Uhr. kexfabrik.at