Staatsanwalt ermittelt gegen René Benko

Rene Benko, Signa Holding Foto: Clemens Fabry
Rene Benko, Signa Holding Foto: Clemens Fabry(c) (Clemens Fabry)
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Gegen den jungen Immobilien-Tycoon und Gründer der Signa-Holding wird wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt. Benko wittert eine Intrige wegen seiner geplanten Akquisition der deutschen Kaufhof-Kette.

[Wien] René Benko macht oft - und gerne - Schlagzeilen. Kunststück: Der Tiroler ist erst 34 Jahre jung und hat mit seiner Signa-Holding ein beachtliches Immobilienimperium aufgebaut. Nachrichten über neue Investments gibt es am laufenden Band: So hat es Benko mit seinem Tuchlauben-Projekt in der Wiener Innenstadt zu großer Bekanntheit gebracht; er hat die ehemalige Länderbank-Zentrale Am Hof erworben und macht aus ihr ein Luxushotel; zuletzt hat er mit seinem Plan für Aufsehen gesorgt, die deutsche Warenhauskette Kaufhof zu übernehmen.

Die jüngste Nachricht ist allerdings weniger nach seinem Geschmack: Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen Benko wegen des Verdachts der Geldwäsche. Michaela Schnell, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, bestätigte dies der „Presse". Im Detail wollte sie zu den Ermittlungen, die „schon länger laufen", nichts sagen. Nur so viel: „Es handelt sich nicht um eine anonyme Anzeige. Und wir haben eine Menge Unterlagen bekommen, die von uns noch nicht vollständig ausgewertet wurden." Für René Benko gilt die Unschuldsvermutung.

Benko: „Absolut transparent"

Der Immobilien-Tycoon zeigte sich gestern über die Ermittlungen überrascht: „Ich höre das zum ersten Mal", sagte er. Von Seiten der Staatsanwaltschaft habe es keine Kontaktaufnahme gegeben. An den Vorwürfen sei jedenfalls absolut nichts dran: „Bei uns ist alles völlig transparent, und jeder kann bei uns jede Transaktion nachvollziehen", so Benko.

Tatsächlich hat der junge Immobilien-Investor stets auf maximale Seriosität wert gelegt - wohl auch, weil er damit rechnen musste, dass ihm aufgrund seines jugendlichen Alters vor allem Skepsis und Misstrauen entgegen gebracht werden könnte. Auf der Signa-Homepage wird also die „Wahrung eines strengen Ethik-Kodex" angeführt. Und im Beirat der Signa Holding finden sich durchwegs klingende Namen: Ex-SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hat den Vorsitz. Des Weiteren finden sich dort Ex-Bank-Austria-Vorstand Karl Samstag, Ex-FPÖ-Vizekanzlerin und Wüstenrot-Chefin Susanne Riess sowie Casinos-Boss Karl Stoss. Aus Deutschland kommen Rainer de Backere, einst Vorstand der Westfälischen Provinzialversicherungen, sowie Peter Haßkamp, langjähriger Vorstand der Bremer Landesbank.

Als finanzkräftigen Investor hat Benko den Griechen George Economou an Bord - mit einem Privatvermögen von geschätzten 1,7 Milliarden Dollar gilt er als Griechenlands reichster Reeder.

Economou wird Benko bei seiner geplanten Großinvestition zur Seite stehen: Benko will die deutsche Warenhauskette Kaufhof übernehmen. Kolportierter Kaufpreis: 2,4 Milliarden Euro.

Kaufhof-Deal „im Finale"

Zuletzt berichteten deutsche Medien, dass Benko auch durchaus gute Chancen habe, den Zuschlag zu bekommen - und damit den konkurrierenden Bieter, Karstadt-Eigentümer Nicholas Berggruen, auszustechen. Benko erklärte gestern auch, dass die Gespräche „im Finale" seien.

Womit sich für ihn der Kreis zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien schließt. Für Benko ist das Timing nämlich alles andere als ein Zufall.
Er spricht von einer „massiven Schmutzkübelkampagne", offenbar werde beim Kampf um Kaufhof „mit allen Mitteln gekämpft".

Außer Streit steht, dass die Signa-Holding im Kampf um die deutsche Warenhauskette ein ernst zu nehmender Gegner ist. Benko hat seinen Konzern im Jahre 2000 im zarten Alter von 22 Jahren gegründet - seine Anfänge in der Branche hatte er als 18-Jähriger gemacht: Statt zur Matura anzutreten half er einem Freund beim Dachbodenausbau.

Bei der Firmengründung war Geld jedenfalls kein Problem: Im Jahre 2000 lernte Benko nämlich den um 29 Jahre älteren Karl Kovarik kennen. Der Erbe der 134 Stroh-Tankstellen hatte damals jede Menge Geld zur freien Disposition, Kovarik und Benko kamen rasch ins Geschäft.
Aus dem Zwei-Mann-Unternehmen ist ein beachtlicher Konzern geworden: Bis heute hat die Signa-Holding bereits 4,5 Milliarden Euro in hochwertige Immobilien investiert und verfügt über 100 Tochtergesellschaften.

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