50. Jahrestag: Contergan-Opfer demonstrieren

Contergan-Opfer demonstrieren in Berlin
Contergan-Opfer demonstrieren in Berlin(c) dapd (Adam Berry)

An diesem Wochenende jährt sich zum 50. Mal die Marktrücknahme des Medikaments. Opfer fordern höhere Entschädigungen.

Etwa 200 Contergan-Opfer haben am Samstag in Berlin für eine höhere Entschädigung demonstriert. Das Schlafmittel Contergan, das Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre verkauft wurde, führte dazu, dass tausende Frauen schwer missgebildete Kinder zur Welt brachten.

An diesem Wochenende jährt sich zum 50. Mal die Marktrücknahme des Medikaments durch den Herstellerkonzern Grünenthal. Anerkannte Opfer erhalten bis heute finanzielle Leistungen von der 1972 gegründeten Conterganstiftung. Viele Betroffene sind jedoch eigenen Angaben zufolge trotzdem auf Sozialhilfe angewiesen.

"Opfer stehen als soziale Bittsteller da"

Es sei "unerträglich", dass Menschen, die tägliche Hilfe beim An- und Ausziehen, bei der Arbeit oder beim Toilettengang bräuchten, vor den Behörden als "soziale Bittsteller" dastünden, sagte Gernot Stracke, der Vorsitzende des Hilfswerks für Contergan-Geschädigte in Hamburg, am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Menschen, die wegen Contergan mit Behinderungen - etwa ohne Arme oder Beine - geboren wurden, erhalten laut Stracke derzeit eine monatliche Ausgleichszahlung der Conterganstiftung von etwa 300 bis maximal 1.127 Euro. Bis 2008 habe der Höchstbetrag etwa 540 Euro betragen, sagte er dem Sender. Erst nach der Ausstrahlung des WDR-Films "Eine einzige Tablette" seien die Zahlungen des Bundes und Grünenthals erhöht worden.

Für immaterielle Schäden müsse das Unternehmen Schmerzensgeld zahlen, forderte Stracke: "Wie wollen Sie wiedergutmachen, wenn jemand nicht in der Lage ist, Kinder zu kriegen? Wenn er nicht die freie Berufswahl hatte wie andere?" Derzeit leben nach seinen Angaben in Deutschland noch etwa 2.400 Opfer des Contergan-Skandals. Ein Ansprechpartner der Firma Grünenthal war am Samstag zunächst nicht zu erreichen.

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