Let's make money: "Short" ist jetzt gut

(c) AP (Ahn Young-joon)
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Wie viel Luft die wichtigsten Börsenindizes noch nach unten haben und warum es dennoch keine Alternative zu Aktien gibt.

Nach einer neuntägigen Talfahrt sind die Gewinne der frühherbstlichen Bärenmarktrallye (trotz des Kurzfristanstiegs am Freitag) beinahe schon wieder ausradiert: Seit Ende Oktober sind der deutsche Dax und der amerikanische Dow Jones um je fast 1000 Punkte gefallen (wobei der Fall im Dax prozentuell doppelt so stark ausgefallen ist). Und der Wiener Index liegt mit nur noch rund 1640 Punkten um mehr als 400 Punkte unter seinem Oktober-Spitzenwert. Wer also seine Engagements in der Bärenmarktrallye nicht mit Stopps abgesichert hat (wie hier permanent gepredigt wird), ist seine Zwischengewinne praktisch schon wieder los.

Beim nächsten Versuch wird also eisern gestoppt! Aber wann kann man den starten? In einem sehr volatilen, politikgetriebenen Markt lässt sich das schwer prognostizieren. Eines ist aber sicher: Derzeit ist es noch zu früh. Wenn kein politisches Wunder an der Eurofront passiert, wird der Trend noch ein bisschen nach unten gehen. Wer die Möglichkeit hat, „short“ zu gehen (etwa mit Optionen, Zertifikaten oder CFDs), hat dazu in den nächsten Tagen sicher noch gute Gelegenheiten. Geeignet sind dafür jetzt besonders Indizes, aber auch europäische Bankwerte lassen sich noch hervorragend shorten. Die haben ihre Tiefpunkte noch lange nicht erreicht.

Wer „nur“ von Kursgewinnen profitieren kann und noch dazu längerfristig orientiert ist, bleibt dem Markt weiter fern, betätigt sich allerdings als genauer Marktbeobachter, um den Wendepunkt nicht zu versäumen. Die vergangene Woche hat gezeigt, dass die politische Lösung, die der Markt in der Eurokrise erwartet, noch sehr ferne ist. Und dass die Schuldenkrise nach den jüngsten Rückstufungen Portugals und Ungarns, nach den Spread-Anstiegen für Anleihen unter anderem aus Frankreich und Österreich und nach der missglückten Anleihenemission in Deutschland erneut an Brisanz gewinnt, trägt auch nicht gerade zur Kauflaune an den Aktienmärkten bei. Fundamental (das heißt derzeit: politisch) müssen potenzielle Aktienkäufer momentan vor allem auf Deutschland schauen: Wenn sich die stabilitätsorientierten Deutschen in Richtung Eurobonds bzw. stärkerer direkter Inanspruchnahme der EZB weichklopfen lassen, dann dürfte es kurzfristig zu einem kräftigen Zwischenaufschwung kommen. Danach sieht es derzeit aber nicht wirklich aus.

Charttechnisch herrscht an den Märkten sowieso Finsternis: Nach dem Durchbrechen einiger Widerstände stehen die Zeichen auf Abwärtstrend pur. Der deutsche Dax hat seine nächste stärkere Unterstützung knapp unter 5000Punkten, also noch gut 400Punkte unter dem jetzigen Stand. Der Dow Jones findet seinen nächsten stärkeren Haltepunkt bei 10.600, der ATX müsste knapp über 1400 vorerst einmal auf Grund laufen. Außer natürlich, auf dem Weg nach unten gibt es ein positives politisches Signal.

In einer derartigen Situation sind Empfehlungen für Aktienkäufe sinnlos. Was immer man jetzt kauft, man wird es in ein paar Tagen oder Wochen mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit billiger bekommen. Man kann sich höchstens Papiere zurechtlegen, die man nach der Kurswende dann relativ schnell erwirbt.

Dafür bieten sich Papiere an, die sich im heftigen Abschwung gut gehalten haben. Es gibt ja nicht wenige Aktien, die Stärke bewiesen haben und im November nur leicht gesunken oder sogar gestiegen sind, während die Indizes rundherum abrutschten. Dazu gehören etwa SBO (Isin AT0000946652) oder Telekom Austria (Isin AT0000720008) in Wien, Merck (DE0006599905) und Fresenius (Isin DE0005785604) in Frankfurt, SAP (DE0007164600) und Bayer (Isin DE000BAY0017) im Eurstoxx50 sowie HP (Isin US4282361033) und Caterpillar (Isin US1491231015) in den USA.

Allerdings: Börsenstimmungen können sich jetzt sehr schnell ändern. Wenn die Talfahrt noch ein wenig anhält, ist die Lage natürlich neu zu analysieren. Die genannten Aktien sind also nur ein Hinweis darauf, welche Papiere man sich jetzt näher unter die Lupe nehmen könnte. Gekauft wird natürlich nur nach sorgfältiger eigener Analyse.

Alternativen beim Anlegen hat man derzeit jedenfalls nur wenige: Für halbwegs sichere Anleihen (etwa des Euro-Musterknaben Deutschland) bekommt man nicht einmal mehr die Inflation abgegolten, und die Rohstoffpreise (einschließlich der Krisen-Edelmetalle Gold und Silber) treten derzeit auch auf der Stelle.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2011)

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