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Paris und Berlin streiten über neuen EZB-Chefökonom

Asmussen bewirbt sich um Stark-Nachfolge bei der EZB
(c) dapd (Michael Gottschalk)
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Frankreich will offenbar einen französischen Chefökonomen durchsetzen. Es sei "keinesfalls sicher", dass der Deutsche Jörg Asmussen den Job bekommt.

Zwischen Deutschland und Frankreich ist einem Pressebericht zufolge ein Machtkampf um die Besetzung eines einflussreichen Postens bei der Europäischen Zentralbank entbrannt. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Notenbank- und Regierungskreise berichtet, erheben beide Länder "gleichermaßen Ansprüche" auf den Posten des Chefvolkswirts der EZB. Es sei "keinesfalls sicher", dass der deutsche Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen neuer Chefvolkswirt werde, zitierte die Zeitung eine mit den Gesprächen vertraute Person. "Das Rennen ist offen."

Frankreich möchte Prestigejob besetzen

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union hatten auf ihrem Gipfel Ende Oktober beschlossen, Asmussen in das EZB-Direktorium zu berufen. Dort soll er dem Deutschen Jürgen Stark nachfolgen, der Anfang September die Aufgabe seines Postens als EZB-Chefvolkswirt angekündigt hatte. Dem "Handelsblatt" zufolge suchte die Regierung in Paris jedoch gezielt nach einem eigenen Kandidaten, der die deutschen Ansprüche auf den wichtigen Job des Notenbank-Chefvolkswirts torpedieren kann.

Frankreich hatte den Italiener Mario Draghi bei seiner Kandidatur als EZB-Chef unterstützt, im Gegenzug aber den Rückzug des Italieners Lorenzo Bini Smaghi gefordert, um Platz für einen Franzosen zu schaffen. Vergangene Woche schlug Paris den Chefvolkswirt des französischen Finanzministeriums, Benoit Coeure, für das EZB-Direktorium vor, um den begehrten Prestigejob selbst besetzen zu können.

Der 1966 geborene Asmussen gilt als einer der wichtigsten Mitarbeiter des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble (CDU) in der internationalen Finanz- und Schuldenkrise.

(APA/Ag.)