Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Iran: Demonstranten stürmen britische Botschaft

Iran Demonstranten stuermen britische
Iran: Demonstranten stürmen britische Botschaft
  • Drucken

Eine aufgebrachte Menge verwüstet in Teheran die Botschaft und eine weitere diplomatische Einrichtung. London protestiert: "Das ist völlig unannehmbar".

In der iranischen Hauptstadt Teheran haben Demonstranten am Dienstag die britische Botschaft und eine weitere diplomatische Einrichtung gestürmt. Sie verwüsteten Büros, warfen Steine, zündeten Brandsätze und verbrannten erbeutete Dokumente. Die Demonstranten rissen auch die britische Nationalflagge ab, verbrannten sie und ersetzten sie durch die iranische Flagge.

Mitarbeiter der Botschaft mussten offenbar durch die Hintertüren des Gebäudes fliehen. Auf dem Gelände sollen auch Gästehäuser für britische Diplomaten sowie deutsche, britische und französische Schulen stehen. Ein britischer Diplomat sagte, alle Briten, die sich auf dem Gelände befänden, seien in Sicherheit. Nähere Angaben zur dortigen Lage konnte er aber nicht machen.

Polizei zunächst untätig

Iranische Bereitschaftspolizisten standen während des Sturms auf die Botschaft untätig daneben. Erst eine halbe Stunde später waren Polizisten auf den Botschaftsmauern zu sehen, wie sie weitere Demonstranten davon abhielten, auf das Gelände vorzudringen. Nach und nach gelang es ihnen, die meisten Demonstranten aus dem Gelände zu vertreiben.

Die Protestaktion fand m Anschluss an eine anti-britische Kundgebung statt. Dabei protestierten die Demonstranten gegen die neuen britischen Sanktionen gegen den Iran und verlangten die Ausweisung des britischen Botschafters. "Tod für Großbritannien", riefen hunderte Demonstranten.

Die iranische Nachrichtenagentur FARS berichtete, der Sturm der Botschaft sei eine Reaktion auf den Tod eines Atomwissenschaftlers gewesen. Israelische und britische Geheimdienstmitarbeiter sollen den Iraner Majid Shahriari auf den Tag vor einem Jahr getötet haben.

London: "Völlig unannehmbar"

"Wir sind empört", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in London. "Das ist völlig unannehmbar, und wir verurteilen es." Das Ministerium rief die Führung in Teheran auf, "sofort zu handeln und die Situation unter Kontrolle zu bringen". Teheran sei gemäß internationalen Konventionen verpflichtet, Botschaften und diplomatische Einrichtungen zu schützen.

Einschränkung der Beziehungen zu London

Als Reaktion auf neue britische Sanktionen gegen den iranischen Energie- und Bankensektor hatte das Parlament in Teheran am Sonntag mit großer Mehrheit eine Einschränkung der diplomatischen Beziehungen zu London beschlossen. Insgesamt 179 der 206 anwesenden Abgeordneten stimmten einer Vorlage des außenpolitischen Ausschusses zu, die binnen zweier Wochen die Ausweisung des britischen Botschafters aus Teheran und die Abberufung des iranischen Botschafters aus London vorsieht.

Neben Großbritannien hatten auch die USA und Kanada am vergangenen Montag als Reaktion auf den jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), der erstmals "glaubwürdige Hinweise" auf eine militärische Dimension des iranischen Atomprogramms auflistet, weitere Sanktionen gegen Teheran verhängt.

Die USA haben keine Botschaft mehr in Teheran, seit diese 1979 von militanten Studenten gestürmt wurde und 52 Diplomaten mehr als 440 Tage als Geiseln gehalten wurden.

(Ag./Red.)