Im kommenden Jahr will Facebook an die Börse gehen. Das Unternehmen habe bereits firmenintern einen Börseprospekt erstellt. Firmengründer Mark Zuckerberg wolle aber noch über die Details nachdenken, hieß es.
Wien/Reuters/Dpa/Red. Die Online-Plattform Facebook macht wieder Schlagzeilen: Laut einem Bericht des „Wallstreet Journals“ will das Unternehmen bei seinem Börsengang, der im nächsten Jahr erfolgen soll, zehn Mrd. Dollar (7,5 Mrd. Euro) einnehmen. Facebook-Finanzchef David Ebersman soll die Pläne bereits mit Banken besprochen haben. Das Unternehmen habe bereits firmenintern einen Börseprospekt erstellt. Firmengründer Mark Zuckerberg wolle aber noch über die Details nachdenken, hieß es. Das Unternehmen wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.
Zuckerberg hält 24 Prozent der Anteile an Facebook, seine Anteile hätten nach dem Börsengang– sollte er tatsächlich zu diesem Preis erfolgen– einen Wert von 24 Mrd. Dollar. Der Facebook-Gründer hatte sich lange gegen einen Börsengang gesperrt, da er nicht jedes Quartal immer bessere Geschäftszahlen präsentieren wollte. Mit Erreichen der Schwelle von 500 Anteilseignern muss das Unternehmen nach US-Börsenrecht demnächst aber ohnehin seine Geschäftszahlen offenlegen.
Da nur ein Teil der Anteile an die Börse gebracht werden soll, wäre Facebook dann mehr als 100 Mrd. Dollar wert. Kürzlich bewerteten private Investoren das soziale Netzwerk noch mit 80 Mrd. Dollar, im Jänner hatte Goldman Sachs den Wert mit 50 Mrd. Dollar beziffert, im Juni 2010 betrugen die Schätzungen 23 Mrd. Dollar.
Hoher Preis für Kleinanleger
Mit einem Marktwert von 100 Mrd. Dollar läge Facebook zwar hinter Tech-Schwergewichten wie Apple, Microsoft oder IBM. Den weltgrößter Onlinehändler Amazon oder den Unterhaltungskonzern Disney hätte das Unternehmen damit aber überholt.
Aufgrund der stark schwankenden Kurse ist derzeit kein gutes Umfeld für Börsengänge. Doch haben sich zuletzt einige Internetfirmen von den Anlegern frisches Geld geholt, etwa das Schnäppchenportal Groupon, das Netzwerk LinkedIn oder der Musikdienst Pandora. Für die Käufer war das kein gutes Geschäft. Die Aktien sind jetzt meist deutlich weniger wert als beim Börsengang. Einige Experten warnen vor einem neuen Internethype. Legt man Kriterien wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis zugrunde, wäre Facebook mit 100 Mrd. Dollar überbewertet: Im Vorjahr erzielte das Unternehmen laut ungeprüften Zahlen einen Gewinn von 400 Mio. Dollar. Viele Experten raten daher Kleinanlegern, von solchen Börsengängen die Finger zu lassen und allenfalls erst später zuzuschlagen, wenn sich der Kurs an der Börse stabilisiert hat.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2011)