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Norwegen: Breivik-Gutachten ist umstritten

(c) REUTERS
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Obwohl der Massenmörder nicht zurechnungsfähig ist, könnte er lebenslang weggesperrt werden.Breivik selbst zeigte sich übrigens wegen des Gutachtens „gekränkt“.

Wien/Oslo/Red. Das psychiatrische Rechtsgutachten, das den Massenmörder Anders Behring Breivik als unzurechnungsfähig erklärt hat, sorgt in Norwegen für Aufregung: Breivik, der bei einem Anschlag im Juli 77 Menschen getötet hat, wird somit „Strafunfähigkeit“ beschieden, das heißt, er kann nicht lebenslänglich hinter Gittern landen.

Wenn am 16. April der Strafprozess gegen den 32-Jährigen eröffnet wird und das Gericht das Gutachten anerkennt – eine Ablehnung gilt quasi als ausgeschlossen –, steht das Urteil auch schon fest. Es kommt zwar zu einer Verhandlung über seine Schuld, allerdings nicht über das Strafausmaß. Anstatt Haft steht Breivik die Einweisung in eine psychiatrische Anstalt bevor.

 

Breivik ist „gekränkt“

Obwohl es viele als „Provokation“ empfinden, dass Breivik nicht als Mörder verurteilt werden kann, hat seine Unzurechnungsfähigkeit auch Vorteile: Denn lebenslänglich heißt in Norwegen maximal 21 Jahre. Sitzt Breivik aber in einer psychiatrischen Anstalt, muss sein Geisteszustand alle drei Jahre neu überprüft werden. Das kann bedeuten, dass Breivik lebenslang in einer Anstalt bleibt. Aber auch, dass er bei konstatierter Genesung nach nur drei Jahren freikommt. Breivik selbst zeigte sich übrigens wegen des Gutachtens „gekränkt“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2011)