Aktien: Flucht in den „sicheren Hafen“ USA

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Die US-Börsen kamen bis dato deutlich besser durch die Krise als die europäischen Aktienindizes oder die „Emerging Markets“. Ursache ist die Risikoscheu der Anleger.

Wien. Aktionäre hatten heuer wenig zu lachen. Etwa jene, die auf österreichische Aktien setzten und seit Jahresbeginn 38 Prozent verloren haben. Mit Papieren aus dem europäischen Index Euro Stoxx 50 büßte man 18 Prozent ein. Sein Heil in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens und Lateinamerikas zu suchen, war aber auch keine gute Idee: Mit Aktien aus dem MSCI Emerging Marktes Index hätte man seit Jahresbeginn zwanzig Prozent verloren.

Eine der wenigen Regionen, aus denen sich die Anleger nicht zurückziehen, sind die USA. Der Dow Jones liegt seit Jahresbeginn auf Eurobasis 3,4 Prozent im Plus, der breit aufgestellte S&P-500-Index nur leicht im Minus. Hauptursache ist die Verunsicherung der Investoren infolge der Schuldenkrise in Europa. Das lasse die Anleger in die USA flüchten, stellt Hans Engel, Analyst für internationale Märkte bei der Erste Group, fest. Und das, obwohl es den USA wirtschaftlich kaum besser als Europa gehe und obwohl auch die größte Volkswirtschaft der Welt mit ihrem wachsenden Schuldenberg zu kämpfen habe. Auch aus den Emerging Markets würden sich die US-Investoren zurückziehen, weil dort Zinsen und Inflation hoch seien.

Das bekommen Fonds-Investoren ebenfalls zu spüren: Wie aus dem jüngsten Gesamtmarktreport von „Finance&Ethics Research“ hervorgeht, haben die im deutschen Sprachraum tätigen Nordamerika-Aktienfonds seit einem Jahr zwei Prozent verloren. In allen anderen Regionen war das Minus deutlich größer: Europa- und Asienfonds gaben um 15 Prozent, Lateinamerika-Fonds um zwanzig Prozent nach. Im Dreijahresvergleich finden sich unter den 25 ertragreichsten Fonds zwar fast ausschließlich solche, die in Asien investieren. Doch kurzfristig haben die USA die Nase vorn.

US-Indizes weniger bankenlastig

Dieser Trend dürfte nicht so rasch abreißen. Auch im nächsten Halbjahr oder Jahr sollten sich US-Aktien besser halten als europäische, glaubt Engel. Zum Teil habe das auch mit der Zusammensetzung der Indizes zu tun: Banken (die in den USA kaum besser dastünden) seien in den US-Indizes weniger stark gewichtet als in Europa. Umgekehrt gebe es in Europa weniger Technologiewerte– und diesen gehe es derzeit sehr gut. Bei den großen Titeln wie Google (ISIN: US38259P5089), Apple (US0378331005) oder Intel (US4581401001) zeichne sich auch keine Tech-Blase ab. Manche Experten fürchten eine solche, weil derzeit viele Technologieunternehmen zu sehr hohen Preisen an die Börse gehen (Groupon, LinkedIn und nächstes Jahr Facebook).

Bester Dow-Jones-Wert seit Beginn des Jahres ist IBM (US4592001014). Unter den Top Ten finden sich auch zahlreiche Lebensmittel- und Konsumgüterfirmen wie McDonald's (US5801351017) oder Kraft Foods (US50075N1046). Diese profitieren auch vom Trend zu „defensiven“ Werten: In Krisenzeiten halten sich Unternehmen aus vergleichsweise konjunkturunabhängigen Branchen wie Nahrungsmittel, Pharma, Konsumgüter oder Versorger besser als Industriewerte.

Coca-Cola (US1912161007) oder McDonald's stellen dabei in mehrerer Hinsicht einen sicheren Hafen dar: Sie sind defensive Werte, sie notieren in den USA– und sie agieren weltweit und profitieren vom Wachstum der Emerging Markets mehr als deren lokale Börsen: Mit diesen Papieren, aber auch mit großen europäischen Aktien wie Siemens könne man sein Risiko regional streuen, ohne direkt an den lateinamerikanischen oder asiatischen Börsen investieren zu müssen, stellt Martin Mikulik, Chief Investment Officer der Capital Bank, fest.

Er rät übrigens, auch europäische Werte nicht ganz außer Acht zu lassen: Wer große Industrieunternehmen im Depot haben wolle, komme an Europa kaum vorbei. Die US-Indizes seien eher konsumgüter- und dienstleistungslastig. Zudem bleibe man bei europäischen Aktien im Euro und gehe kein Währungsrisiko ein.

(c) DiePresse

Währungsrisiko beachten

Wer Aktien in fremder Währung kauft, riskiert, dass diese abwertet und schlimmstenfalls die Währungsverluste die Kursgewinne auffressen. Bei weltweit agierenden Konzernen wird dieses Risiko dadurch abgefedert, dass diese profitieren, wenn die eigene Währung schwächelt, weil sie dann ihre Produkte besser verkaufen können.

Auch verhielten sich Euro und Dollar zuletzt relativ stabil zueinander. Nach einigem Auf und Ab ist der Euro-Dollar-Kurs wieder dort, wo er zu Jahresbeginn war. „Die Währungsfrage sollte bei der Investitionsentscheidung keine übermäßig starke Rolle spielen“, meint Engel.

Was Sie beachten sollten bei... US-Aktien

Tipp 1

Regionale Streuung. Wer in die aufstrebenden Volkswirtschaften („Emerging Markets“) investieren will, tut das derzeit am besten über international agierende US-Konzerne wie IBM oder McDonald's. Diese profitieren von der starken Nachfrage aus Asien, leiden aber im Gegensatz zu asiatischen Börsen nicht an der Risikoscheu der Anleger.

Tipp 2

„Defensive“ Papiere. In Krisenzeiten setzen viele Anleger auf Firmen, die in relativ konjunkturunabhängigen Sektoren wie der Nahrungsmittelbranche tätig sind. So hielten sich McDonald's oder Coca-Cola zuletzt gut. Diese Papiere sind aber nicht mehr besonders günstig. Bei einer Konjunkturerholung dürften sie weniger stark profitieren.

Tipp 3

Währungsrisiko. Bei Aktien in fremder Währung trägt man das Risiko, dass diese Währung abwertet und die Kursgewinne von den Währungsverlusten aufgefressen werden. Der Euro-Dollar-Kurs war zuletzt aber relativ stabil: Seit Jahresbeginn liegt der Euro ein Prozent im Plus. Eine Aufwertung des Dollar wäre positiv für die Aktionäre.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2011)

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