Sona MacDonald sorgt für Charme-Offensive, Raphael von Bargen für akrobatische Einlagen bei „Ein Klotz am Bein“ in der Regie von Michael Kreihsl im Josefstädter Theater. Aufführung ist trotzdem eher verunglückt.
Ein junger Mann muss heiraten, weil er pleite ist. Eine Partnerin ist bereits gefunden, der Ehevertrag unterschriftsreif. Doch die Geliebte des Burschen, sie lässt ihn nicht los – und erweist sich als „Klotz am Bein“: Diese Feydeau-Komödie ist seit Donnerstag im Josefstädter Theater zu sehen. 1984/85 zeigte Achim Benning eine wahrhaft köstliche Version mit Andrea Jonasson und Karlheinz Hackl im Akademietheater. Die Josefstadt agierte mit weniger Fortüne. Die Aufführung leidet darunter, dass Regisseur Michael Kreihsl allzu sehr versuchte, die Schauspieler zu dressieren. Es gibt einige Fehlbesetzungen und andere Irritationen.
Feydeau, der in diesem Stück eigene Erlebnisse verarbeitete – nach wirtschaftlichen und erotischen Abenteuern fiel er dem Wahnsinn anheim –, stellte sich für seinen Protagonisten vermutlich einen eleganten, feschen jungen Mann vor. Raphael von Bargen zeigt zwar überaus lebhaftes Spiel und akrobatische Einlagen, aber einen französischen Kavalier erschafft er damit nicht. Im übrigen ist dieser fluktuierende Fernand de Bois d'Enghien viel zu wenig ambivalent und von Beginn an viel zu stark damit beschäftigt, den charmanten Klotz am Bein loszuwerden. Auch die Anmutung, es handle sich zwischen Fernand und der Sängerin Lucette vor allem um sexuelle Anziehung, wirkt banalisierend. Sona MacDonald als Varieté-Star kann diesmal nur beschränkt punkten, obwohl sie entzückende Momente hat, wenn sie ihren flüchtigen Lover anstrahlt und von einer Schönheit schwärmt, die wahrlich nur im Auge der Betrachterin liegt.
Ruth Brauer-Kvam wäre besser für die Rolle der Lucette gewesen, sie zeigt als Braut allerlei Facetten, die einen vergessen lassen, dass Feydeau immer als „Maschinentheater“ angesehen wird – im Sinne eines schematisch ablaufenden Mechanismus. Das ist Unsinn. Die typische Feydeau'sche Panikstimmung hat handfeste Gründe: Der Verlust der Ehre und der Ehe bedeutete wirtschaftliche Einbußen, wenn nicht den Zusammenbruch der gesamten Existenz.
Brauer-Kvam als gewitzte Braut
Brauer-Kvam präsentiert eine rundum stimmige Viviane: Dieses Mädchen, das offenbar nicht einmal aufgeklärt worden ist, will lieber einen Filou als einen braven Mann. Sie ahnt, dass die Ehe ihr bloß Beschränkungen auferlegen wird, und ergibt sich schon einmal prophylaktisch dem Whisky.
Die Regie drückt enorm aufs Tempo, dennoch hat die Aufführung Längen. Hugo Gretler baute zwar ein passendes Bühnenbild, z. B. mit vielen Türen, verunzierte aber die Damen durch unvorteilhaften Kopfputz. Toni Slama absolviert als Lucettes Verehrer General Irrigua mit Bravour dessen Sprachverdrehungen, wirkt aber dadurch auch nicht authentischer. Gertraud Jesserer ist zwar eine passende Brautmutter und Baronin, aber keine Komödiantin. Siegfried Walther heimst als Unglückswurm vom Dienst viele Lacher ein. Routinierte Komik verbreitet André Pohl als Lucettes Ex-Ehemann.
Das große Ensemble wirkte von Kreihsls Tour de Force strapaziert. Das Publikum schien sich bis zum weihnachtlichen Schluss leidlich zu amüsieren – was bei Feydeau nicht viel, aber immerhin die Minimalausstattung ist.