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Klimagipfel: Kritik an Merkel und EU-Strategie

Aktivistinnen beim
(c) REUTERS (Mike Hutchings)

Europa könne trotz bindender Verpflichtungen das Klimaproblem der Welt nicht allein lösen, sagt die deutsche Kanzlerin.

Die Skepsis über den Ausgang des 17. UN-Klimagipfels in Durban ist gewachsen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel dämpfte am Samstag erneut die Erwartungen an die Konferenz, zu der etwa 20.000 Delegierte, Experten und Gäste aus 191 Ländern gekommen sind. Obwohl auch Umweltorganisationen sich zur Halbzeit der Konferenz eher pessimistisch über die zu erwartenden Ergebnisse äußerten, kritisierten viele Merkel und die EU-Strategie in Durban.

"Wir wissen, dass die Schwellenländer zurzeit nicht bereit sind, bindende Reduktionsverpflichtungen im Bereich der CO2-Emission einzugehen", sagte Merkel in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft im Internet. Europa werde weiter bindende Verpflichtungen haben, könne aber das Klimaproblem der Welt nicht allein lösen. Es gehe nun darum, den Entwicklungsländern finanziell beim Klimaschutz zu helfen.

Greenpeace fordert entschiedenere Gangart

Die Umweltorganisation Greenpeace warf Merkel vor, sich nicht entschieden genug für eine härtere Gangart Europas bei den Konferenzverhandlungen einzusetzen. Die Kanzlerin müsse sich "gegen die kurzsichtigen Interessen" der Industrie stellen, forderte Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser. Merkel dürfe sich nicht hinter der Verweigerungshaltung der USA verstecken. Greenpeace beschuldigte die EU der "Führungsschwäche".

Der WWF forderte schärfere Emissionsreduktionsziele. "Keinesfalls darf man hinter den Zusagen von der Vertragsstaatenkonferenz von Cancun aus dem vergangenen Jahr zurückbleiben", betonte die Organisation am Sonntag. "Die Industrieländer müssen sich auf eine zweite fünfjährige Verpflichtungsperiode unter dem Dach des Kyoto-Protokolls einigen." Parallel dazu sollte in Südafrika die Basis für ein Klima-Nachfolgeabkommen gelegt werden. Zu den Verhandlungen unter dem Dach der UNO sieht der WWF derzeit keine Alternative.

Die Wirtschaftskrise und halbherzige politische Entscheidungen erschweren nach Ansicht des Karlsruher Klimaforschers Hans Schipper den Fortschritt im Klimaschutz. "Im Mittelpunkt der Debatte steht zurzeit der Satz 'Die Wirtschaft darf nicht leiden'. Da ist es schwer, die Bevölkerung für den Klimaschutz zu begeistern", sagte Schipper vom Süddeutschen Klimabüro am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Deshalb hofft er auf ein klares Signal der Europäer in Durban für den Klimaschutz. Schipper warnte aber davor, die Menschen mit Horrorszenarien von der Notwendigkeit des Klimaschutzes überzeugen zu wollen.

"Global Day of Action" am Samstag

Einige tausend Menschen protestierten am Samstag am Rande des UN-Klimagipfels friedlich für mehr Klimaschutz und gegen Atomkraft. Zu dem "Global Day of Action" hatten zahlreiche südafrikanische und internationale Umweltorganisationen sowie kirchliche Gruppen aufgerufen.

 

(Ag.)