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Die „bösen Buben“ sind jetzt die andern

Der Erfolg der Salafisten lässt die Muslimbrüder als gemäßigt dastehen.

Ägyptens Muslimbrüder haben gleich dreifachen Grund zur Freude: Schon die erste Runde der ersten freien Wahl sieht sie mit bis zu 40 Prozent vorn; für die kommenden zwei Runden, wenn vor allem in ländlichen Gebieten gewählt wird, stehen die Aussichten noch besser; durch das gute Abschneiden der Salafisten schließlich sind sie nicht mehr die „bösen Buben“, sondern erscheinen plötzlich wie eine Art kleineres Übel. Am gemäßigten Image haben sie ja schon im Vorfeld der Wahl eifrig gebastelt. Wobei das Wort „moderate Islamisten“ – ein Islamist kann per definitionem nicht moderat sein – vor allem die Verlegenheit des Westens zeigt, mit den neuen Realitäten in der Region umzugehen.

Freilich setzt der Vormarsch der radikalen Rauschebärte die Muslimbrüder auch unter Druck: Je moderater sie sich geben, desto stärker setzen sie sich dem Vorwurf „unislamischer Umtriebe“ aus. Für die Liberalen und für Ägyptens Kopten ist ein verfassungsgebendes Parlament mit islamistischer Mehrheit eine verheerende Perspektive, der Name der Salafistenpartei „Nour“ („Licht“) blanker Hohn. Die liberalen Kräften, die die Revolution ja erst losgetreten haben, müssen nun paradoxerweise darauf hoffen, dass ausgerechnet das Militär auf die Muslimbrüder einwirkt und ihnen bei der Entscheidungsfindung „hilft“. Die Ironie der Geschichte kann ganz schön unbarmherzig sein.

 

E-Mails an: helmar.dumbs@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2011)

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