Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Strafandrohung für Helmut Schüller "nicht hilfreich"

Diözesanadministrator Benno Elbs.
(c) APA (DIETMAR STIPLOVSEK)
  • Drucken

Der neue Diözesanadministrator Benno Elbs ist bis zur Ernennung eines Bischofs die Nummer eins in Vorarlbergs Kirche. Er hält der Pfarrerinitiative zugute, dass sie aus Sorge um das Leben der Pfarrgemeinden handle.

Sie sind nach dem altersbedingten Rückzug Bischof Elmar Fischers Diözesanadministrator in Vorarlberg. Zuletzt wurde nie ein Diözesanadministator Bischof. Das heißt, Sie sind, obwohl als Favorit genannt, aus dem Rennen?

Benno Elbs: Die Wahl eines Diözesanadministrators ist ein ganz normales, im Kirchenrecht so vorgesehenes Prozedere.

 

Ist in so schwierigen Zeiten wie heute das Bischofsamt überhaupt erstrebenswert?

Erstrebenswert ist hier ein missverständlicher Ausdruck. Der Bischof soll immer Diener seiner Gemeinde und keine Stufe in der Karriereleiter sei, was Papst BenediktXVI. immer wieder betont. Der heilige Martin von Tours hat sogar versucht, sich durch Verstecken der Wahl zu entziehen.

Wie sieht das Anforderungsprofil für den neuen Vorarlberger Bischof aus?

Das Profil eines Vorarlberger Bischofs unterscheidet sich nicht vom Profil jedes anderen Bischofs. Er soll ein Mensch sein, der im Geheimnis Gottes zu Hause ist und sein Herz bei den Sorgen und Nöten der Menschen hat.

 

Der Aufruf zum Ungehorsam durch Helmut Schüllers Pfarrerinitiative sorgt in ganz Österreich und darüber hinaus für Diskussionen. Sehen Sie durch die Initiative die Einheit der katholischen Kirche in Gefahr?

Die Kommunikation über die Öffentlichkeit der Medien, wie sie derzeit geschieht, kann sehr wohl zu einer Zuspitzung der Situation führen. Theologische Auseinandersetzungen erfordern eine hohe Differenzierung in den Argumenten. Diskussionen über die Medien auszutragen ist hier eine Überforderung des sachlich-theologischen Dialogs.

 

Welche der Forderungen (für verheiratete Priester, Priesterinnen) ist auf keinen Fall umsetzbar? Und wo wünschen Sie sich Beweglichkeit Roms?

Zu diesen Punkten erschien erst kürzlich eine Erklärung der Österreichischen Bischofskonferenz (Warnung vor Spaltung, Einladung zu Gesprächen; Anm.), hinter der ich stehe. Auf jeden Fall unterstelle ich allen, dass sie sich um das Leben in unseren Pfarrgemeinden sorgen.

Die Bischofskonferenz hat zuletzt dem Wunsch nach einem österreichweiten Dialog eine Absage erteilt. Wie werden Sie bei Ihnen, in Vorarlberg, mit den Unterstützern der Pfarrerinitiative verfahren?

Bischof Elmar hat noch in seiner Amtszeit mit den Vorarlberger Vertretern der Pfarrerinitiative gesprochen und so mit der Umsetzung der Vereinbarung der Bischofskonferenz bei uns in Vorarlberg begonnen. Das Gespräch verlief positiv. Nicht zuletzt deshalb, weil alle Anwesenden zum Ausdruck gebracht haben, dass sie ihren Weg in einer positiven Loyalität zur Kirche und zum Diözesanbischof gehen möchten.

 

Schließen Sie disziplinäre Schritte gegen Pfarrer aus, wie eine Versetzung oder das Einleiten eine Amtsenthebungsverfahrens?

Solange Christen miteinander im Gespräch sind, ist die Androhung disziplinärer Konsequenzen für den Dialog nicht hilfreich.

Zur Person

Benno Elbs war seit 2005 als Generalvikar die rechte Hand des Vorarlberger Bischofs Elmar Fischer. Dieser ist nach Vollendung des 75. Lebensjahres dem Kirchengesetz entsprechend im November abgetreten. Elbs (51) galt als Favorit für die Nachfolge. Nun leitet er die Diözese, bis Benedikt XVI. einen neuen Bischof ernennt. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2011)