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Pecik fordert vier Aufsichtsräte in der Telekom Austria

Pecik fordert vier Aufsichtsräte in der Telekom Austria
(c) (Fabry Clemens)
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Investor Ronny Pecik hat schon 600 Millionen Euro in Telekom-Aktien investiert. Und lässt damit keine falsche Bescheidenheit walten: Und der Vorstand soll auch aufgestockt werden.

Nicht ganz ein halbes Jahr ist es her, dass Markus Beyrer den Chefsessel in der ÖIAG übernommen hat. Lange genug, um Gewissheit zu haben: Den Job hat er sich anders vorgestellt. Nämlich gemütlicher.

Immerhin hatte die SPÖ schon unter Beyrers Vorgänger Peter Michaelis über die Sinnlosigkeit der Staatsholding gewettert: Die ÖIAG verwalte bloß die Beteiligungen der Republik an einigen wenigen Unternehmen. Dazu brauche es keinesfalls den Luxus einer eigenen Holding.

Markus Beyrer zögerte also nicht lange, als ihm angeboten wurde, vom Generalsekretariat der Industriellenvereinigung in die ÖIAG zu wechseln. Ob das die richtige Entscheidung war? Von verwalten ist dort nämlich längst keine Rede mehr. Vielmehr häufen sich die Zores: OMV- Großaktionär Abu Dhabi hat gerade aus heiterem Himmel angekündigt, seine Beteiligung am Ölkonzern auf zumindest 25 Prozent aufstocken zu wollen. Und dann gibt es natürlich noch jede Menge Probleme mit der Telekom Austria.

Schlimm genug, dass Beyrer seit Monaten die Telekom-Korruptionsaffäre am Hals hat. Dazu kommt aber auch noch ein gewisser Ronny Pecik. Der Investor hat erst vor wenigen Tagen kundgetan, dass er schon etwas mehr als 15 Prozent an der Telekom hält. Und ihn dürstet nach mehr.

Markus Beyrer steht also im Zentrum einer Übernahmeschlacht. Und das ist wirklich nicht seine Welt. Zumal er sich arg zerrissen fühlen muss. Auf der einen Seite die ÖVP, zu der der einstige Politsekretär Beyrer nach wie vor einen engen Draht hat. ÖVP-Finanzministerin Maria Fekter hat sich zwar in einem Interview unlängst durchaus wohlwollend zu Pecik geäußert. Doch generell herrscht in der Volkspartei helle Aufregung über die „feindliche Übernahme" des Investors. Vermutlich deswegen, weil Pecik im Zuge der Übernahme wunderbaren Einblick in den Telekom-Sumpf bekommt. Was für die ÖVP eher nicht so angenehm ist.

Auf der anderen Seite steht Ronny Pecik selbst. Der hat mit Hilfe des vermögenden Ägypters Naguib Sawiris 600 Millionen Euro in Telekom-Aktien investiert und will sich natürlich aktiv im Unternehmen einbringen. Beyrer kann ihn selbstverständlich nicht einfach ignorieren. Zumal Pecik in den vergangenen Wochen äußerst umtriebig war: „Ich habe Gespräche auf politischer Ebene geführt", erzählt er der „Presse", „und ich hatte ein dreistündiges, sehr konstruktives Treffen mit dem Telekom-Betriebsrat." Beyrer musste sich also seinem Schicksal fügen. Und so kam es vor 14 Tagen zu einem diskreten Treffen zwischen den beiden.

Pecik bezeichnet das Gespräch mit Beyrer als „sehr professionell". Aber Hand aufs Herz: Das ohnehin arg lädierte Nervenkostüm des ÖIAG-Chefs hat er wohl kaum aufgepäppelt. Pecik will nämlich, wie er sagt, „unternehmerische Verantwortung übernehmen" und dazu sein „Know how einbringen". Denn: „Im Unternehmen gibt es viel zu tun, es muss sich auf harte Zeiten vorbereiten."

Selbstredend hat Pecik ganz klare Vorstellungen darüber, wie diese Vorbereitung am besten zu bewerkstelligen ist: „Ich erhebe Anspruch auf Mitsprache im Aufsichtsrat und bei der Bestellung des Vorstandes", sagt er. „Das ist mir wichtig, das ist klar und selbstverständlich."

 

Gerüchten zufolge wird er noch vor Weihnachten melden, dass er bereits 20 Prozent der Telekom-Aktien hält. Damit kommt er der ÖIAG mit ihrem 28-Prozent-Anteil schon gefährlich nahe. Und deshalb will er bei seinen Ansprüchen auch keine falsche Bescheidenheit walten lassen. Noch vor der im Frühjahr geplanten Hauptversammlung will er daher eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um personelle Wünsche in die Wege zu leiten.

Pecik fordert drei Sitze im Aufsichtsrat. Nachsatz, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: „Drei Sitze neben meinem persönlichen Mandat in dem Gremium." Macht also vier von insgesamt acht Kapitalvertretern. Völlig klar ist für Pecik auch, dass er im Präsidium des Aufsichtsrates sitzen wird. Womit es dort eng wird: Dort sitzt nämlich Markus Beyrer an der Spitze, seine Stellvertreterin ist Rechtsanwältin Edith Hlawati.

Sie wird wohl gehen müssen. Die Juristin steht schon länger im Zentrum der Kritik, weil sie einerseits seit 2001 Telekom-Aufsichtsrätin ist, andererseits hat ihre Kanzlei den Konzern auch juristisch beraten und somit üppige Honorare lukriert. Pecik schließt sich der Kritik an: „Das ist für mich ein klarer Fall von Unvereinbarkeit."

Klare Vorstellungen hat der Investor auch beim Telekom-Vorstand - er will ihn „auf drei bis vier Köpfe ausweiten. Zwei Vorstände sind zu wenig für einen Konzern dieser Größenordnung." Er gehe jedenfalls davon aus, dass schon bald eine Ausschreibung für weitere Vorstände erfolgen werde - „und da erwarte ich mir, dass ich bei der Entscheidung mit einbezogen werde." Ob er dafür schon Kandidaten habe? „Es gibt Kandidaten", sagt er, „die Namen werden demnächst genannt."

Das wird insofern spannend, als es Pecik dabei nicht nur um eine Ausweitung des Vorstandes gehen dürfte, sondern auch um Veränderungen beim bestehenden. Dem Vernehmen nach ist er mit der Performance von Finanz-Vorstand Hans Tschuden höchst unzufrieden. Pecik will sich da zwar nicht eindeutig deklarieren, doch seine Kritik an der Dividendenpolitik der Telekom (für die Tschuden verantwortlich zeichnet) spricht Bände: Pecik bezeichnet die Ausschüttungen als „zu hoch", man müsse „eine Dividendenkürzung ins Auge fassen".

Damit dürfte es schon bald zur ersten Kraftprobe mit dem neuen Investor Pecik kommen: Tschudens Vertrag steht zur Verlängerung an, er hat auch bereits die Zusage des Telekom-Aufsichtsrates für weitere fünf Jahre. Aber unterschrieben ist noch nichts.

Womit das Malheur des Markus Beyrer ganz gut zu begreifen ist: Verlängert er Tschudens Vertrag, riskiert er, dass der der Finanzvorstand wenige Monate später um teures Geld gehen muss. Hält er sich nicht daran, könnte es Wickel mit dem Aufsichtsrat geben. Der ist überhaupt ein Problem für sich: Wer soll gehen, um Pecik-Vertrauten Platz zu machen? Und riskiert Beyrer damit nicht Probleme mit der ÖVP, der ein Gutteil der Aufsichtsräte zuzuordnen ist?

Fragen über Fragen also. Vor allem aber jene: Hat da jemand was von „Verwalter-Job" gesagt?

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10. Dezember 2011)