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Wien: Zehn Jahre Haft für einen brutalen Tyrannen

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(c) dapd (Joern Haufe)
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Über Jahre hinweg soll ein Mann drei Frauen unterdrückt, kontrolliert und geschlagen haben. Nicht einmal die Wahl ihrer Kleidung war den Frauen selbst überlassen, der Mann bestimmte über ihr Leben.

Ein Familientyrann wurde am Dienstag in Wien zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er hatte über Jahre hinweg seine Ex-Frau, seine Frau und deren Schwester schwer misshandelt.

Nachdem er sie jahrelang terrorisiert hatte, ließ sich die erste Frau 2001 vom gelernten Schlosser scheiden. Daraufhin heiratete der 50-Jährige die Nichte seiner Ex-Frau und machte diese zum neuen Opfer seiner Übergriffe: Er kontrollierte ihre Telefongespräche, brachte sie jeden Tag zur Arbeit und holte sie von dort auch wieder ab. Am Arbeitsplatz war es der Frau verboten, mit Kollegen zu sprechen. In ihrer Freizeit durfte sie das Haus nicht verlassen und von ihrem Einkommen gestand der Mann ihr lediglich 200 Euro pro Monat zu. Wenn sie sich widersetzte oder einen Fehler beging, bestrafte er sie mit brutalen Schlägen. Damit hatte der Mann aber offenbar nicht genug: Während seine Frau in der Arbeit war, beorderte er deren Schwester zu sich und zwang sie zu sexuellen Handlungen.

Auch die Ex-Frau war nach wie vor nicht sicher. Was für ihren Haushalt gekauft wurde, bestimmte nach der Scheidung weiterhin ausschließlich der 50-Jährige. Selbst die Wahl der Kleidung nahm er seiner Ex-Frau. Was sie tragen durfte, bestimmte er. „Er hat mir klar gemacht, dass nur der Tod uns scheidet. Er war einfach brutal," sagt die Frau. Sie habe irgendwann aufgehört zu kämpfen.

Im Krankenhaus fliegt die Brutalität auf

Aufgeflogen war die Geschichte der jahrelangen Peinigung erst, als die junge Ehefrau ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Der 50-Jährige hatte ihr Brüche der Lendenwirbelsäule, zweier Rippen und des Nasenbeins zugefügt. Nur die erste Frau konnte vor Gericht als Zeugin erscheinen, um gegen den Schlosser auszusagen. Die zweite Frau und deren Schwester befinden sich wegen posttraumatischer Belastungsstörungen in psychiatrischer Behandlung.

Der Mann leugnet

Vor Gericht leugnete der Mann seine Gräueltaten. Er habe die Frauen nicht überwacht, sondern nur ständig angerufen, „weil ihm langweilig war". Auch Ausgehverbote will er nie verhängt haben: „Die wollten nicht weggehen. Die wollten nicht ins Kaffeehaus. Die trinken keinen Kaffee."

Der Schöffensenat des Wiener Straflandesgerichts sah das anders und verurteilte den Mann wegen fortgesetzter Gewaltausübung zu einer zehnjährigen Haftstrafe.

(Ag.)