Was man von der sportlichen Begegnung mit einem früheren Premier-League-Profi fürs Leben lernt.
Was ist das Geheimnis des Erfolgs? Keine Sorge, das wird keine esoterisch angehauchte Selbsthilfeanleitung. Doch am vergangenen Montagabend, auf einem windigen Fußballplatz im Norden Brüssels, ging mir diese Frage nicht aus dem Kopf. Denn da drüben, im Trikot der dänischen Hobbymannschaft, gegen die unser „Austrian Dream Team“ spielte, stand ein 19-facher dänischer Teamspieler, Teilnehmer der Europameisterschaften 1996 und 2000 und Exprofi in der englischen Premier League. Heute ist Mikkel Beck Ende 30, und die großen Zeiten bei Middlesbrough mit dem fantastischen Italiener Fabrizio Ravanelli, dem 21-fachen englischen Nationalspieler Paul Merson sind das eine oder andere Kilo entfernt. Klar, Beck macht mit einer Körpertäuschung noch immer alle nass, wie deutsche Sportmoderatoren zu sagen pflegen. Aber erst durch eine Wikipedia-Recherche nach dem Spiel erfuhr ich, dass er eines der größten Talente Dänemarks war und knapp davor, ein richtiger Weltklassespieler zu werden. Auf YouTube gibt es ein Video mit all seinen 24Toren für Middlesbrough. Beck war richtig, richtig gut.
Woran scheiterte es? Kleine Verletzungen zum falschen Zeitpunkt. Ein schlechter Trainer. Ein Team, in dem die Chemie nicht stimmt. Im Mannschaftssport entziehen sich die Faktoren des Erfolgs dem Einfluss des Einzelnen. Egal, wie groß sein Talent ist. Es ist wie in der Schule und in der Arbeit: Ganz allein, ohne Rückhalt der anderen, kommt man nicht vom Fleck.
Wir haben die Dänen übrigens 4:2 geschlagen, trotz zweier Tore von Beck. Keiner von uns hatte nur annähernd sein Talent. Die Summe unserer Unzulänglichkeiten ergab aber das, was zählt, und zwar nicht nur im Fußball: die Mannschaft.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.12.2011)