Fluglinien: Die AUA kooperiert mit ihrer Billigschwester Germanwings im Deutschland-Verkehr. Das sei kein erster Schritt zu einer Redimensionierung, wird bei der AUA beteuert. Das neue Sparkonzept kommt im Jänner.
Wien. Die für neue Manager übliche Schonfrist von 100 Tagen gilt für ihn nicht: Erst seit November steht Jaan Albrecht an der Spitze der AUA, und schon im Jänner erwartet sich sein Boss Christoph Franz von der Lufthansa ein rigoroses Sparpaket. Es soll die rot-weiß-rote Lufthansa-Tochter, die heuer entgegen ursprünglichen Plänen wieder ein negatives Betriebsergebnis schreiben wird, in die Gewinnzone bringen. Franz hat konzernweit einen straffen Sparkurs angekündigt.
Immerhin: Das seit der Übernahme durch die Lufthansa über der AUA schwebende Damoklesschwert, zu einer Regionallinie gestutzt zu werden, trifft sie zumindest jetzt noch nicht. Mit der Ankündigung am Freitag, dass die Lufthansa-Billigtochter Germanwings mit der AUA im Nachbarschaftsverkehr eng kooperiert, sind Spekulationen aufgetaucht, dass dies der erste Schritt der Amputation wäre und Albrecht die Langstrecken kappt.
Neue Kabine und Betten
„Das ist definitiv nicht geplant, die AUA-Strategie eines Vollanbieters bleibt“, dementiert Noch-Pressesprecher Martin Hehemann die Gerüchte. (Hehemann wechselt zur Uniqa, sein Nachfolger bei der AUA ist Peter Thier.) Mittelfristig – ab 2013 und wenn sich die Konjunktur erholt – soll das Langstreckennetz sogar ausgebaut werden.
„Ohne den Nahost-Verkehr, der von politischen Unruhen beeinträcht wurde, waren wir heuer in der Langstrecke profitabel“, sagt Hehemann zur „Presse“.
Schon nächstes Jahr erhalten die zehn Langstreckenjets (Boeing 767 und 777) eine neue Kabine. Die Businessclass wird mit Liegebetten ausgestattet, wie sie die Swiss schon hat. Dafür ist ein dreistelliger Millionenbetrag veranschlagt. Die in die Jahre gekommenen Boeing 767 können aber nicht getauscht werden. Eine Flottenerneuerung bzw. ein Wachstum mittels neuer Strecken darf erst erfolgen, wenn die AUA Gewinne schreibt. Das war die EU-Vorgabe im Gegenzug zur Genehmigung des 500-Mio.-Schuldennachlasses.
Angesichts der Großinvestition und des grimmigen Umfelds, das in der Luftfahrt angesichts der Rezession erwartet wird, dürfte Albrechts Rotstift besonders dick ausfallen. Die Eckpunkte: Sofort wirksame Schnitte sollen den erwarteten Nachfrageeinbruch abfedern. Langfristige Maßnahmen sollen Ergebnisverbesserungen bringen. Die Personalkosten müssen weiter sinken, heißt es, man werde aber nicht nur beim Personal sparen können.
LOT greift in Osteuropa an
Die AUA ist unter Druck: durch die schwächelnde Wirtschaft, den hohen Ölpreis, die Flugticketsteuer und den ab 2012 geltenden Emissionshandel. Mehr noch: Mit der polnischen LOT erwächst der AUA ein scharfer Konkurrent in Osteuropa. Die LOT setzt verstärkt auf Qualität und setzt sich auf Destinationen, die von der AUA aufgegeben worden sind. Das sind etwa Kattowitz und Danzig, wie Dirk Steffensen sagt, LOT-Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Zwei Drittel der LOT-Passagiere aus Österreich seien Businesskunden. Ihnen will man Flüge über Warschau nach Russland, ins Baltikum, die Ukraine, China und Vietnam schmackhaft machen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2011)