Augustinerkirche ließ 250 Jahre alten Blauen Ornat restaurieren.
„Es gibt einen Boom bei historischen Messgewändern, die werden wieder mehr geschätzt“, sagt Gabriele Krist. Als Leiterin des Instituts für Konservierung und Restaurierung an der Universität für angewandte Kunst hatte sie in den letzten Jahren verstärkt mit liturgischen Gewändern zu tun. Vor Kurzem konnte das Institut ein besonderes Projekt abschließen. Der 250 Jahre alte Blaue Ornat der Augustinerkirche wurde renoviert.
Sechs Studentinnen waren damit insgesamt 650 Stunden beschäftigt. Besondere Herausforderung war neben der Berücksichtigung des Alterswerts – der 17-teilige Ornat sollte eben nicht wie nagelneu aussehen – die Wiederverwendung. „Das ist ein zweischneidiges Schwert. Für den Erhalt ist natürlich die Lagerung in einem dunklen, klimatisierten Raum am besten. Aber der Gebrauch ist ja auch eine Wertschätzung“, sagt Krist. Der Blaue Ornat ist nicht nur durch sein hohes Alter und die aufwendige Verarbeitung – gewebt wurde damals mit Goldfäden – eine Besonderheit, sondern auch wegen der Farbe. Denn Blau ist eigentlich keine typisch liturgische Farbe. Dass sie dennoch eingesetzt wird, spiegelt die Beziehung der Augustiner zu den Habsburgern wider. Seine Premiere hatte der restaurierte Ornat, der regelmäßig an hohen Marienfesten eingesetzt wurde, bei einer Messe zu Maria Empfängnis am 8. Dezember.
Auch in Zukunft soll das historische Stück aus seinem speziellen Depot geholt werden. Immerhin sollen die Spender und Sponsoren, die das 18.000 Euro teure Projekt finanziert haben, auch etwas davon haben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2011)