EU stoppt Handel mit Baumwolle aus Kinderarbeit

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Baumwolle(c) AP (Aijaz Rahi)

Die usbekische Regierung zwingt jeden Herbst 2,7 Millionen Kinder, bei der Ernte zu helfen. Die Mitglieder des europäischen Parlaments votierten daher gegen eine Tarifreduktion auf Textilimporte.

Wien/Sig. Jetzt ist es fix: Erstmals in der europäischen Geschichte blockiert die EU ein Handelsabkommen wegen menschenrechtlicher Bedenken. Die Mitglieder des europäischen Parlaments votierten gegen eine Tarifreduktion auf Textilimporte aus Usbekistan – sie wurde mit 603 zu acht Stimmen abgelehnt.

Ohne die Tarifsenkung wird die usbekische Baumwolle bedeutend teurer – was europäische Händler davon abhalten soll, sie zu importieren. Bei dem gescheiterten Abkommen wäre es nicht nur um Baumwolle gegangen: Die EU erhoffte sich ein Entgegenkommen des zentralasiatischen Staates bei der Nutzung einer Militärbasis sowie der Lieferung von Gas und Öl.

Das EU-Parlament hatte bereits Ende November beschlossen, dem geplanten Textilabkommen mit Usbekistan erst zuzustimmen, wenn das Land die Kinderarbeit auf den Baumwollplantagen abschafft. Um dies zu überprüfen, will die EU Beobachter der Internationalen Arbeitsorganisation ins Land schicken. Baumwolle bringt dem zentralasiatischen Staat mehr als eine Milliarde US-Dollar Exporteinkommen. Die usbekische Regierung zwingt jeden Herbst bis zu 2,7 Millionen Kinder ab neun Jahren, bei der Baumwollernte zu helfen. Dabei kommen die Kinder, die für diese Zeit aus den Schulen genommen werden, in Kontakt mit giftigen Pestiziden.

Die Londoner NGO Anti-Slave International hatte im vergangenen Jahr über 13.000 Stimmen gesammelt, um den Druck auf die internationale Politik und Wirtschaft zu verstärken. Heuer wurden bei der OECD Beschwerden gegen sieben europäische Baumwollhändler eingereicht. Den Firmen, darunter einer aus Deutschland, wurde vorgeworfen, durch ihre indirekte Beteiligung an der Kinderarbeit in Usbekistan gegen OECD-Leitsätze für internationale Unternehmen zu verstoßen.