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Deutschland: Zahlte Behörde Geld an Neonazis?

Zahlte Behoerde Geld Neonazis
Symbolbild(c) AP
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Der Thüringer Verfassungsschutz soll eine direkte Zahlung an das Zwickauer Trio veranlasst haben. Das berichtet die "Bild am Sonntag".

Berlin/Wien/Ag. Es ist eine weitere schwere Panne, die dem Thüringer Verfassungsschutz im Zusammenhang mit den Zwickauer Neonazis unterlaufen ist: Die Behörde soll dem Trio vor elf Jahren eine direkte Geldzahlung zukommen haben lassen. Das berichtet die „Bild am Sonntag“

Der Geheimdienst habe der Terrorzelle im Jahr 2000 über Mittelsmänner mehr als 2000Mark für gefälschte Pässe gezahlt, sagte ein Verfassungsschutz-Mitarbeiter der Zeitung zufolge vor der geheim tagenden Kontrollkommission des Thüringer Landtages. Nach Aussagen des Verfassungsschützers wusste seine Behörde aus abgehörten Telefonaten, dass die Neonazis Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt dringend Geld für neue Pässe brauchten.

 

Plan scheiterte

Die Verfassungsschützer hatten deshalb gehofft, mithilfe der Geldzahlung konkrete Hinweise auf den Aufenthaltsort und die Tarnnamen der Rechtsterroristen zu erhalten. Aus diesem Grund habe der Verfassungsschutz dem NPD-Funktionär Tino Brandt damals 2000Mark übergeben, der unter dem Decknamen „Otto“ als V-Mann für die Behörde arbeitete. Brandt hätte das Geld an das seit dem Jahr 1998 gesuchte Neonazi-Trio weiterleiten sollen und schaltete dafür einen Mittelsmann ein. Dieser Plan war jedoch gescheitert: Das Trio beschaffte sich zwar tatsächlich neue Pässe. Weil der Thüringer Verfassungsschutz die Meldeämter in Sachsen aber nicht eingeweiht hatte, konnte die rechte Terrorgruppe unerkannt untertauchen.

Dem 1998 untergetauchten und zuletzt in Zwickau lebenden Trio Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt werden insgesamt zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge in Köln und eine Serie von Banküberfällen zur Last gelegt. Mundlos und Böhnhardt waren Anfang November tot aufgefunden worden, Zschäpe stellte sich der Polizei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2011)