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Schnupfen: Erkältet? Hände weg von Antibiotika

Symbolbild
(c) Erwin Wodicka
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In den allermeisten Fällen wird eine Erkältung durch Viren hervorgerufen. Antibiotika helfen aber gegen Bakterien. Bei Verkühlungen schaden sie meist mehr. Hilfreich: Nasentropfen, Rotlicht, Hühnersuppe, Myrtol.

Warnung: Wenn Sie verkühlt oder heiser sind oder an einer akuten Bronchitis leiden, verlangen Sie keine Antibiotika oder lehnen Sie es ab, wenn Ihnen der Hausarzt diese gleich verschreibt. Oder hinterfragen Sie zumindest den Grund dafür. Antibiotika schaden in solchen Fällen nämlich meist mehr, als sie helfen. Denn: „90 Prozent der Schnupfenfälle und der akuten Bronchitis-Erkrankungen sind Virusinfektionen. Und Antibiotika helfen nicht gegen Viren, sondern nur gegen Bakterien“, warnt Florian Thalhammer, Experte an der Wiener Medizinischen Universitätsklinik.

Machen nur Nebenwirkungen

Zumindest ein Drittel der Antibiotika, so Thalhammer, würden falsch verordnet. Im Falle von Verkühlungen verursachen sie höchstens Nebenwirkungen, der häufige (und vor allem überflüssige) Einsatz schafft nur Resistenzen. „Die höchste Verordnungsrate von Antibiotika gibt es bei Sinusitis, einer Entzündung im weit verzweigten Nasennebenhöhlensystem“, sekundiert Hans Behrbohm, Chefarzt der HNO-Heilkunde der Park-Klinik Weißensee in Berlin. Auch bei Sinusitis, so Behrbohm, seien Antibiotika in den wenigsten Fällen zielführend. „Bei nicht fieberhaften Infekten der oberen Luftwege empfehle ich zunächst eine Behandlung mit abschwellenden Nasentropfen, Myrtol-Präparaten, Rotlicht und Schmerzmitteln.“

Heiße Suppe gegen Schmerzen

Auch die beliebte Hühnersuppe ist hilfreich. Was schon Großmutter empfahl und auf allen Kontinenten als Hausmittel gegen Erkältungen eingesetzt wird, hat tatsächlich Wirkung. „Es ist mittlerweile gelungen, einen Effekt auf Infekte der oberen Atemwege nachzuweisen“, schreibt die „Medical Tribune“. Wissenschaftler fanden heraus, dass Hühnersuppe bestimmte weiße Blutkörperchen blockiert, die Entzündungen und Schwellungen auslösen können. Die heiße Suppe lindert auch Gliederschmerzen und enthält Vitamine, Eisen und Zink. „Aber es muss eine frisch gekochte Hühnersuppe sein, da Fertigprodukte in ihrer Qualität stark schwanken und zum Teil völlig unwirksam sind“, betont Karl Zwiauer von der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Landesklinikum St. Pölten.

Weitere Hilfsmittel aus der Apotheke der Natur: Topfen und Kartoffelwickel können Schmerzen lindern. Ratsam ist auch Rotlicht, das hilft, die Schleimhaut abzuschwellen.
Apropos Schleimhaut: Die Nasenhöhle und die Nasennebenhöhlen sind mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die mit feinsten Flimmerhärchen (medizinisch: Zilien) besetzt ist. Eingedrungene Fremdpartikel bleiben an ihnen haften. Die Flimmerhärchen schwingen ständig hin und her (vergleichbar mit einem Getreidefeld, über das der Wind streicht) und transportieren so den Schleim (Mukus) mit den Schadstoffen Richtung Rachen ab. Sie werden dann geschluckt und im sauren Milieu des Magens unschädlich gemacht.

Das gelingt meist, jedoch nicht immer. Denn immer wieder gelingt es Krankheitserregern, sich in den Schleimhäuten der Nase einzunisten, die Nasenschleimhaut entzündet sich, schwillt an, es wird dickflüssiger Schleim produziert – der Schnupfen (Rhinitis) ist da. In den Wintermonaten leiden bis zu zwei Drittel aller Patienten, die eine Praxis eines Allgemeinmediziners aufsuchen, unter Infektionen der oberen und/oder unteren Atemwege. Die Schleimhäute sind hier identisch aufgebaut und bilden ein zusammenhängendes System. Das ist auch häufig die Ursache dafür, dass der Infekt nicht in der oberen Etage Nase bleibt, sondern sich auch in untere Atemwegsregionen ausbreitet.

Hilfe aus dem Pflanzenreich

Gegen solche Infektionen sind auch einige Phytotherapeutika wirksam. Ziemlich gute Studienresultate gibt es beispielsweise zu Präparaten mit Efeu, Schlüsselblumenwurzel und Thymian sowie zu standardisierten Myrtol-Präparaten (in Arzneimitteln wird ein standardisiertes pflanzliches Mischdestillat als Myrtol bezeichnet, das laut Herstellerangaben nicht weniger als 25 Prozent Limonen, 25 Prozent Cineol und 6,7 Prozent α-Pinen, also Bestandteile ätherischer Öle, enthält).

Für ein Heilpflanzenpräparat auf der Basis von Myrtol gibt es 27 klinische Studien an über 6800 Patienten mit akuten und chronischen Erkrankungen der Atemwege. Außer einer sekretolytischen (die Schleimentfernung aus den oberen Luftwegen fördernd) und antientzündlichen Wirkung wurde auch ein antimikrobieller (hemmt das Wachstum von Mikroorganismen) Effekt belegt. Zudem fördert Myrtol die mukoziliäre Clearance, die Aktivität der Flimmerhärchen und damit die vorher beschriebene Selbstreinigung der Atemwege.

Das Wunderwerk Nase

Noch einige Worte zur Nase: Neben der offensichtlichen Hauptaufgabe, dem Riechen, reguliert sie auch den Atemstrom, ist, wie erwähnt, für die grobe Reinigung, aber auch für die Konditionierung der Atemluft zuständig. Während wir einatmen, temperiert und befeuchtet unsere Nase die Atemluft. „Egal, ob wir uns in einer Gegend mit 40 Grad plus oder 30 Grad minus aufhalten, die Nase schafft es, die inspirierte Luft auf etwa 35 Grad zu halten und auf 85 Prozent mit Wasserdampf zu sättigen“, beschreibt Behrbohm das „Wunderwerk“ in unserer Gesichtsmitte.

Auf einen Blick

In den Wintermonaten leiden bis zu zwei Drittel aller Patienten, die einen Allgemeinmediziner aufsuchen, unter Infektionen der oberen und/oder unteren Atemwege. Ratsam: Nasentropfen, Rotlicht, Hühnersuppe.
Nicht ratsam: Antibiotika. 90 Prozent der Schnupfenfälle und der akuten Bronchitis-Erkrankungen sind Virusinfektionen. Antibiotika, die nur gegen Bakterien helfen, sind also unwirksam bis schädlich.