Beim Teddybärenkrankenhaus wird Kindern die Angst vor dem Doktor genommen – und Medizinstudenten werden auf den Umgang mit Kindern vorbereitet. Kinder können alle Stationen eines Krankenhauses kennenlernen.
Wien. Die größte Attraktion steht gleich vor der Tür: ein Krankenwagen, der von den Kindern in aller Ruhe begutachtet werden kann. Denn verletzt ist hier vor den Toren der Österreichischen Ärztekammer in der Wiener Innenstadt niemand – einmal abgesehen von den vielen Teddybären und Stofftieren, die die Kinder zum Teddybärenkrankenhaus mitgenommen haben.
Ein Medizinstudent beantwortet geduldig alle Fragen und erklärt den Inhalt des Erste-Hilfe-Kastens. „Manchmal drehen wir auch das Blaulicht auf, damit sie sich die ganze Unfallkette vorstellen können. Das gefällt ihnen natürlich besonders“, sagt Georg Hagleitner. Er ist einer von rund 150 Studenten, die am Montag und heute, Dienstag, als Teddy-Docs arbeiten.
Ziel der Aktion, die von der Austrian Medical Students' Association (AMSA) organisiert wird, ist es, Kindern die Angst vor Spitälern und Ärzten zu nehmen. Als Begleitperson ihres kranken Teddybären können sie alle Stationen eines Krankenhauses – von der Anamnese über die Blutabnahme oder eine EKG-Station bis zum OP-Saal – kennenlernen. Insgesamt 600 Kinder haben sich über Schulklassen und Kindergartengruppen bereits angemeldet.
Blinddarmoperation für Seesterne
So auch David, der seinen Freund Patrick mitgenommen hat – einen Seestern im Superman-Kostüm. „Das hat er sich extra für heute angezogen“, sagt der Achtjährige. Wirklich krank ist sein Stofffreund eigentlich nicht, er wollte ihn nur zur Sicherheit durchchecken lassen. „Oh, der hat ja Fieber“, sagt Medizinstudentin Alexandra Pawlik. Nach der Blutabnahme mit Himbeersaft und einem Röntgen stellt sich aber heraus, dass dem Seestern der Blinddarm entfernt werden muss. Ganz geheuer ist David die Situation nicht. Er tröstet sich damit, dass sein Seestern ohnehin noch schläft.
Genäht wird bei den Stofftieren übrigens wirklich, was David bei seinem Seestern allerdings nicht so recht ist. Er will lieber schnell den hässlichen Faden loswerden. „Manche Kinder kennen uns aber schon und bringen kaputte Teddybären zu uns, damit wir sie reparieren“, sagt Katharina Hawlik vom Organisationsteam. Das wird von den Teddy-Docs gern erledigt, immerhin gehört Nähen ja auch zu ihrem zukünftigen Job. Die Medizinstudenten arbeiten die zwei Tage ehrenamtlich, lediglich eine Teilnahmebestätigung, die etwa bei Auslandspraktika hilfreich sein kann, erhalten sie. „Es geht einfach darum, den Kindern die Angst zu nehmen, die sie ja allein schon vom weißen Kittel haben“, sagt Mitorganisator David Plattner.
Kritik an paxisfernem Studium
Die Studenten sehen die Aktion aber auch als Vorbereitung auf das Berufsleben. „Der Umgang mit Kindern wird im Studium überhaupt nicht behandelt“, kritisiert etwa Georg Hagleitner. Lediglich für die Kommunikation mit erwachsenen Patienten gibt es ein Training. Auch Alexandra Pawlik, die Seestern Patrick verarztet hat, vermisst auf der Uni die Vorbereitung auf Kinder.
„Oft haben die Eltern Schwierigkeiten oder Angst davor, zum Arzt zu gehen, das projizieren sie auf die Kinder“, sagt Organisatorin Katharina Hawlik. Der kleine David dürfte aber seine Angst vor Ärzten überwunden haben. Anfangs meinte er noch, Impfen und Zahnärzte möge er nicht. „Ich war als Dreijähriger in einer Zahnklinik, das war schrecklich, die waren böse zu mir“, sagt er. Nachdem er seinen Seestern verarztet hat, fällt ihm aber doch noch etwas ein: „Ich war noch nicht in der Zahnstation, ich muss Patrick zeigen, wie man richtig Zähne putzt.“