Die sollten alle viel länger schlafen

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Wer am wenigsten Schlaf braucht, bringt es in der Politik am weitesten: Das klingt wie eine Drohung.

Vor einigen Tagen kam ich bei einer Wohltätigkeits-Glühwein-Mince-Pie-Party mit dem früheren Redenschreiber mehrerer EU-Kommissare ins Gespräch. Wie, fragte ich ihn, machen das die großen Tiere, die Kommissare, Minister, Präsidenten? Wie kommen die wochen-, monate-, jahrelang mit durchschnittlich vier bis fünf Stunden Schlaf aus? Sie müssen die Frage andersherum stellen, antwortete der frühere Redenschreiber, nämlich so: Wieso gibt es unter den Kommissaren, Ministern, Präsidenten fast nur solche, die kaum Schlaf brauchen? Weil, schob er die Antwort nach, man es in der Politik nur dann nach ganz oben schaffe, wenn man als letzter am Verhandlungstisch wach bleibt. Er muss es wissen, hat er doch für Alphatiere wie den früheren britischen EU-Kommissar und Minister Peter Mandelson und Kommissionspräsident José Manuel Barroso gearbeitet, die – das muss man anerkennen, selbst wenn man ihre Ansichten nicht teilt – Spitzenkarrieren gemacht haben.

Entscheidet also geringes Schlafbedürfnis über politischen Erfolg? Liegt es an einem günstigen Zusammenspiel von Metabolismus und neurologischer Grundverfasstheit, ob man Bundeskanzler wird oder nicht? In meiner Ratlosigkeit tippte ich das Wort „Schlafmangel“ in die Google-Maschine. Von der Förderung von bipolaren Störungen ist da die Rede, dass wenig Schlaf manisch-depressives Verhalten fördert.

Am Dienstag übrigens schneite Barroso unangekündigt im Pressezentrum der Kommission herein und versprach feixend, 2012 werde „ganz bestimmt ein aufregendes Jahr in Sachen Nachrichten“. Ich hoffe, er hat unrecht. In jedem Fall wünsche ich ihm über die Feiertage gute Bettruhe. Die hat er dringend nötig.

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2011)

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