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Irak: Bombenserie nach Abzug der US-Truppen

IRAQ BAGHDAD BOMB ATTACK
(c) EPA (Mohammed Jalil)
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Am Donnerstag gingen in der irakischen Hauptstadt zehn Sprengkörper hoch. Zumindest einer davon wurde von einem Selbstmordattentäter gezündet. Mehr als 70 Menschen starben, rund 180 wurden verletzt.

Nach einer Bombenserie in der irakischen Hauptstadt Bagdad ist die Zahl der Todesopfer Donnerstag früh stetig angestiegen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Verweis auf die Gesundheitsbehörden von mehr als 70 Toten und über 180 Verletzten. Es habe an mehreren Stellen in Bagdad heftige Explosionen gegeben. Laut Behörden explodierten mindestens zehn Sprengkörper. Zumindest eine davon wurde von einem Selbstmordattentäter gezündet.

Kurz nach dem Abzug der letzten US-Kampftruppen handelte es sich um die erste Serie offenbar koordinierter Anschläge, nachdem zuletzt die Spannungen zwischen den verschiedenen Religionsgruppen wieder aufgebrochen waren. Fast neun Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins buhlen in dem tief gespaltenen Land Schiiten und Sunniten erbittert um die Macht.

Die meisten Opfer habe es durch die Detonation zweier im Halawi-Bezirk an einem Straßenrand versteckter Sprengsätze geworden, hieß es. Zudem sei eine Autobombe im östlichen Stadtteil Karrada explodiert. Auch in Bab al-Moadam im Norden der Stadt habe es Explosionen gegeben. Dabei seien drei Menschen verletzt worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums dem britischen Sender "BBC". Wer hinter den Anschlägen steckt, war zunächst noch unklar.

Innenpolitische Krise

Ein Jahr nach der Regierungsbildung durchlebt der Irak eine schwere innenpolitische Krise. Zuletzt hatte Ministerpräsident Nuri al-Maliki mit der Entlassung aller sunnitischen Minister aus seiner Regierung gedroht, weil diese die Kabinettssitzungen boykottierten.  US-Vizepräsident Joe Biden rief die Beteiligten zu Gesprächen auf.

Zuvor hatte die Justiz des Landes wegen Terrorvorwürfen Haftbefehl gegen den sunnitischen Vizepräsidenten Tarek al-Hashemi erlassen. Haschemi wird die Anstiftung zu Mordanschlägen vorgeworfen. Er soll sich derzeit in der halbautonomen Region Kurdistan abgesetzt haben. Seine  Flucht werde zu Problemen führen, drohte Maliki und sicherte seinem Vize im gleichen Atemzug einen fairen Prozess zu. Haschemi wies die Vorwürfe bisher stets  zurück. Er sei aber bereit, in Kurdistan vor einen Richter zu treten, berichtete "Spiegel Online" am Donnerstag.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hatte sich bereits vor den Explosionen "äußerst besorgt" über den Machtkampf im Irak gezeigt. Sie sehe die Berichte über die "innenpolitischen Entwicklungen im Irak" mit großer Sorge, erklärte Ashton am Mittwoch in Brüssel. Die Regierung in Bagdad und alle politischen Gruppen müssten in einen Dialog eintreten, um ihre Differenzen beizulegen.

Religion und Politik

Der Irak hat sich unter Führung der USA auf eine fragile Machtteilung zwischen den Religionsgruppen geeinigt. Demnach hat der schiitische Ministerpräsident einen sunnitischen und einen kurdischen Stellvertreter. Auch dem kurdischen Präsidenten Dschalal Talabani stehen sowohl ein schiitischer, als auch ein sunnitischer Vize zur Seite. Die Sunniten stellen den Parlamentspräsidenten - er hat einen schiitischen und einen kurdischen Stellvertreter.

(Ag./Red.)

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