Froh, fröhlicher, am fröhlichsten? Die Wünsche für diese Tage sind so vielfältig wie aussagekräftig.
God bless you: US-Präsidenten belieben ja mit dieser Wendung nicht erst seit gestern ihre Reden zu beschließen. Uns klingt, wir sollten uns an einem Tag wie heute um besondere Ehrlichkeit bemühen, diese Formulierung eher fremd. Selbst zu spirituellen und kommerziellen Hoch-Zeiten wie jetzt verwendet kaum jemand die Formulierung „Gesegnete Weihnachten“. Oder? O. k., der Pfarrer von nebenan vielleicht, so es denn überhaupt noch einen gibt, oder der Redaktionsseelsorger. Froh, fröhlich, friedlich, friedvoll, erholsam, entspannend, besinnlich, schön – alles Mögliche und Unmögliche soll Weihnachten in unseren Wünschen sein.
Gnadenreich sei sie, die Weihnachtszeit, schrieb der Romantiker Joseph Eichendorff vor mehr als eineinhalb Jahrhunderten. Heute flehe ich um Gnade. Dafür, dass ich beim Switchen zwischen Ö1, FM 4 und Radio Stephansdom – wie es die Fügung so wollte – plötzlich bei Ö 3 landete. Eine schnarrende Stimme erforderte sogleich meine volle Aufmerksamkeit. Waren die Lautsprecherboxen, war die Antenne, oder waren am Ende gar die Ohren defekt? Dann die Erkenntnis: Weder das eine noch das andere, schon gar nicht Letzteres traf zu. Es war, man hätte es ahnen können, Herbert Grönemeyer. Der Sänger-Schauspieler (oder umgekehrt?) gab da eines dieser Weihnachtsinterviews. Einen Wunsch an die Hörer zu formulieren, das gebot die Höflichkeit. Und was sagte der Held, der aus dem Ruhrpott kam: „Frohes Fest!?“ „Merry Christmas!?“ Aber geh! So weit es seine Stimme zuließ, sagte er gut hörbar Unerhörtes: „Gesegnete Weihnachten!“ Tatsache. Herr Grönemeyer hat doch glatt den Schluss meiner von langer Hand geplanten Weihnachtskolumne vorweggenommen. Sei's drum: „Gesegnete Weihnachten!“
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2011)