Nach Weihnachten: Handel feiert zweite Bescherung

(c) FABRY Clemens
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Nach den Festtagen geht das Weihnachtsgeschäft in die Verlängerung. Für hohe Umsätze sorgen nicht nur eingelöste Gutscheine, auch das Neugeschäft boomt. Umgetauscht hingegen wird immer weniger.

Wien. Da war doch was. Dieses kleine, besinnliche Fest vielleicht, bei dem sich Menschen quer durch alle Altersgruppen für schöne und manchmal auch weniger schöne Geschenke finanziell derart verausgaben, dass nach den Festtagen nicht mehr viel übrig bleibt für weiteren Konsum.

„Ganz und gar nicht“, entgegnet Erwin Pellet, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien. „Am 27.Dezember geht Weihnachten in die Verlängerung, wir befinden uns dann sozusagen in der Nachspielzeit.“ Laut Pellet kann der erste Einkaufstag nach Weihnachten locker mit den vier Einkaufssamstagen zuvor mithalten und sei für gewöhnlich sogar stärker als der erste Samstag. „Das wird zweifellos auch in diesem Jahr so sein.“

Volle Einkaufsstraßen

Man muss am Montag auf den Wiener Einkaufsstraßen nicht weit gehen, um zu erkennen, dass das keine inhaltslose Erfolgsrhetorik ist. Zu Tausenden drängen sich die Menschen auf der Mariahilfer Straße und in den umliegenden Gassen. In den meisten Geschäften und Lokalen herrscht folglich Hochbetrieb.

Vor allem in den großen Häusern lassen die langen Schlangen an den Kassen erahnen, welch späte Bescherung dem Handel bevorsteht. Vom sprichwörtlichen Jammern als Gruß der Kaufleute kann jedenfalls keine Rede sein. Im Gegenteil. Die Händler freuen sich über Kunden, denen die Brieftaschen besonders locker sitzen.

„Viele, vor allem junge Leute warten erst einmal die Geldgeschenke und Gutscheine der Eltern und Großeltern ab, bevor sie sich erneut in den Einkaufsrummel stürzen“, sagt Pellet. „Und diese lösen sie dann am Tag nach Weihnachten ein beziehungsweise geben das Geld aus. Der Elektrohandel etwa profitiert erfahrungsgemäß besonders davon.“

Der Umtausch von unliebsamen Geschenken macht laut Pellet nicht so viel aus, „wie man vielleicht meinen könnte oder wie das früher einmal der Fall war“. Mittlerweile würden sich die Leute im Vorfeld über ein mögliches Geschenk sehr genau informieren, bevor sie es kaufen. „Also ich persönlich würde sicher nichts besorgen, von dem ich nicht sicher bin, dass es dem Beschenkten gefällt“, so der Spartenobmann schmunzelnd. „Das geht offenbar nicht nur mir so.“

Wobei es beim Umtausch von Geschenken so gut wie nie zu Problemen komme. „Der Handel hat schließlich großes Interesse daran, dass die Kunden mit seinen Produkten zufrieden sind. Und jeder Kunde, dem man mit einem reibungslosen Umtausch eine Freude macht, ist ein zufriedener Kunde für die Zukunft.“

Gutscheine sind Dauerbrenner

Dass der Tag nach den Weihnachtsfeiertagen erfahrungsgemäß ein besonders intensiver Einkaufstag ist, bestätigt auch Gisela Huemer, Sprecherin von Intersport Eybl und Sports Experts. „In diesem Jahr konnten wir beim Verkauf von Gutscheinen einen Umsatzanstieg von etwa fünf Prozent verzeichnen. Die werden jetzt natürlich eingelöst.“ Auch Huemer betont, dass der Umtausch von Geschenken im Vergleich zum Neukauf und dem Einlösen von Gutscheinen keinen besonders großen Anteil am ersten Einkaufstag nach Weihnachten ausmache.

Im Allgemeinen sei der Umsatz in diesem Winter in ihrer Sparte durch den fehlenden bzw. zu spät gekommenen Schnee „etwas verhaltener“ ausgefallen als in den Jahren zuvor. Mit den ersten beiden Einkaufssamstagen könne der Tag nach Weihnachten aber durchaus mithalten.

Bücher als Umtauschklassiker

Eine letzte Festung für das Umtauschwesen gibt es aber noch – den Buchhandel. „Viele bekommen Bücher geschenkt, die sie schon besitzen oder die einfach nicht ihrem Geschmack entsprechen“, sagt Josef Janitschek, stellvertretender Leiter der Thalia-Filiale in der Mariahilfer Straße. „Diese Bücher werden dann natürlich umgetauscht.“

Auch er vergleicht den Umsatz am Tag nach den Festtagen mit dem des ersten Einkaufssamstags. Einen Hauptgrund für die erhöhte Kauflust nach Weihnachten sieht Janitschek darin, „dass sich nach den Feiertagen viele Leute ein paar Tage freinehmen und ihre Einkäufe ruhiger und entspannter angehen können“.
Rechte beim Umtausch Seite19

Auf einen Blick

Weihnachten in der Verlängerung. Der erste Einkaufstag nach den Festtagen bedeutet für den Einzel- sowie Großhandel eine weitere Bescherung. Der Umsatz an diesem Tag ist mit dem der vier Einkaufssamstage vor Weihnachten zu vergleichen, sagt Erwin Pellet, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien. Für klingelnde Kassen sorgen besonders Gutscheine, die eingelöst werden. Umgetauscht werden am häufigsten Bücher, die die Beschenkten bereits besitzen oder die nicht ihrem Geschmack entsprechen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2011)

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