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Nordkorea: Ein Diktator und seine Mercedes

(c) REUTERS (KYODO)
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Trotz eines Embargos für Luxusgüter waren beim Trauerzug in Pjöngjang viele Mercedes zu sehen. Die Autos wurden über China nach Nordkorea geschmuggelt. Daimler versichert, sich an alle UNO-Auflagen zu halten.

Wien. Für Mercedes waren die Fernsehbilder aus Pjöngjang peinlich: Hinter dem Leichenwagen, mit dem der verstorbene Machthaber Kim Jong-il drei Stunden lang durch die nordkoreanische Hauptstadt eskortiert wurde, waren 30 Mercedes-Fahrzeuge zu sehen. Darunter fanden sich auch Modelle der neuen E-Klasse. In den Limousinen trauerten Parteikader und Militärgeneräle. Der „geliebte Führer“ war angeblich ein Autonarr. In seinem großen Fuhrpark sollen sich besonders viele Mercedes befinden. Wie passt das zusammen? Seit fünf Jahren besteht gegenüber Nordkorea ein Embargo der Vereinten Nationen für Luxusgüter. Damit wollte man verhindern, dass die politische Elite ein Luxusleben führt, während tausende Menschen hungern.

Mercedes-Hersteller Daimler versichert, sich an alle UNO-Auflagen zu halten. Schon vor zehn Jahren seien alle Lieferbeziehungen zu Nordkorea gekappt worden, sagte eine Firmensprecherin am Donnerstag der „Welt“. Auch alle Händler, mit denen Daimler im direkten Kontakt steht, wurden angehalten, sich an das Verbot zu halten. Ähnliche Restriktionen bestehen gegenüber dem Iran und Burma. Es wird vermutet, dass die Luxusgüter von Strohmännern über China nach Nordkorea geschmuggelt wurden. In solche Geschäfte sind auch Österreicher involviert. Im Vorjahr wurde ein österreichischer Staatsbürger zu einer bedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten rechtskräftig verurteilt. Der Geschäftsmann hatte für Nordkorea Aufträge zur Beschaffung von Luxusgütern übernommen. Die Polizei konnte rechtzeitig die Verschiffung von zwei Jachten über Italien und China nach Nordkorea verhindern.

 

Abgeschottete Planwirtschaft

Unter Kim Jong-il wurde das abgeschottete Land zum Armenhaus. UNO-Angaben zufolge sollen rund sechs der 24 Millionen Einwohner von Hunger bedroht oder unterernährt sein. Offizielle Daten über die rückständige Wirtschaft Nordkoreas sind nicht verfügbar. Es gibt nur Schätzungen der Notenbank im benachbarten Südkorea. Diese beruft sich auf Daten von Geheimdiensten und Forschungsinstituten. Demnach soll die Wirtschaftsleistung von Nordkorea im Vorjahr um 0,5 Prozent gesunken sein. Bereits 2009 gab es ein Minus von 0,9 Prozent.

Der Rückgang ist eine Folge von schlechten Ernten. Außerdem gibt es in der Industrie massive Probleme mit der Rohstoff- und Stromversorgung, heißt es in Südkorea. Die Unterschiede zwischen den verfeindeten Ländern sind enorm. Nordkorea kommt auf eine Wirtschaftskraft von umgerechnet 19,5 Mrd. Euro. Das entspricht 2,6 Prozent der Wirtschaftsleistung des kapitalistischen Südens.

Einem Bericht der österreichischen Wirtschaftskammer zufolge sollen nordkoreanische Industriebetriebe wegen der Energieprobleme sowie mangelnder Ersatzteillieferungen nur mit geringer Kapazität (maximal 20 bis 30 Prozent) arbeiten oder überhaupt stillgelegt sein. Der Handel Österreichs mit Nordkorea bewegt sich auf einem niedrigen Niveau. Von Jänner bis September 2011 wurden Waren im Wert von 573.000 Euro exportiert. Dabei handelt es sich meist um medizinische Geräte und Maschinenteile. Die letzte Delegation der Wirtschaftskammer war 2006 in Pjöngjang. Damals fixierte die Raiffeisen-Handelstochter „F.J. Elsner Trading“ ein Abkommen mit dem Eisenbahnministerium.

„Doch aus dem Geschäft ist nichts geworden“, sagt Siegfried Purrer, Geschäftsführer der Firma. Die Österreicher wollten neue Eisenbahnschienen nach Nordkorea liefern. Im Gegenzug hätten sie alte Schienen erhalten und diesen Schrott zu Geld machen sollen. Weil die Nordkoreaner dann noch russische Partner dazwischenschalten wollten, ließ die Raiffeisen-Tochter die Finger davon.

Der Vorarlberger Doppelmayr-Konzern baute eine Seilbahn. Doch diese soll nicht mehr in Betrieb sein, weil das Material für die Energieversorgung benötigt wurde.

 

Mobiles Internet in der Testphase

Ohne moderne Technologien kommen die Machthaber in Pjöngjang aber nicht aus: Der ägyptische Orascom-Konzern errichtet gerade ein Handynetz und betreut bereits 700.000 Kunden. Dazu wurde das Werbeverbot aufgehoben. Mobiles Internet wird noch getestet. Dieses Service soll später aber nur Ausländern zur Verfügung stehen. Nordkoreaner dürften nur im Inland telefonieren. Das Handynetz soll die Wirtschaft ankurbeln. In Umfragen nannten chinesische Händler, die in Nordkorea tätig sind, den schlechten Handyempfang als Haupthindernis. Nicht so schlimm seien dagegen Stromausfälle und Korruption.

Auf einen Blick

Das Armenhaus Nordkorea kommt auf eine Wirtschaftskraft von umgerechnet 19,5 Mrd. Euro. Das entspricht 2,6 Prozent der Wirtschaftsleistung von Südkorea. Industriebetriebe arbeiten nur mit geringer Kapazität. Denn es gibt Probleme mit der Rohstoff- und Energieversorgung. Außerdem fehlen Ersatzteile. Der Handel Österreichs mit Nordkorea bewegt sich auf einem niedrigen Niveau.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.12.2011)