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Erben ab 400.000 Euro wird teuer

Bestattung Pax, Bestatter, Studentenjob, Bestattungsunternehmen Foto: Clemens Fabry
Symbolbild(c) Presse (Clemens Fabry)
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Die Steuerpläne der SPÖ orientieren sich an der deutschen Erbschaftssteuer. 500.000 Euro für Ehegatten, 400.000 Euro für Kinder: Wer mehr erbt, muss zwischen sieben und 30 Prozent Steuer bezahlen.

[Wien] Viel Gesundheit war zweifellos einer der häufigsten Neujahrswünsche. Wie ernst ihn manch potenzieller Erbe gemeint hat, bleibt einmal dahingestellt - vor allem angesichts der Steuerpläne der SPÖ. Erben könnte nämlich eine teure Angelegenheit werden: Zur Berechnung einer möglichen Steuer soll nämlich der Verkehrswert von Wohnungen und Häusern herangezogen werden, wie man der „Presse" aus der SPÖ bestätigt. Und bei einem geplanten Freibetrag von beispielsweise 400.000 Euro für Kinder werden schnell tausende Euro an Abgaben fällig.

Die Wiedereinführung der Erbschaftssteuer dürfte mehr oder weniger beschlossene Sache sein, auch wenn es offiziell Widerstand der ÖVP und auch von mächtigen Teilen der SPÖ (Wiens Bürgermeister Michael Häupl) gibt.
Auf welche Zahlungen sich Erben künftig einstellen müssen, haben Experten der Sozialdemokraten bereits errechnet: Etwa 500 Millionen Euro soll die Erbschafts- und Schenkungssteuer dem Staat jährlich bringen. Auf diese Zahl kommt man aufgrund des Erbschaftssteuermodells in Deutschland, an dem sich die österreichische Steuer weitgehend orientieren soll, wie SPÖ-Mitarbeiter und -Politiker bestätigen.

Die „hohen Freibeträge", die SPÖ-Chef Bundeskanzler Werner Faymann in einem „Presse"-Interview versprochen hat, beliefen sich je nach Verwandtschaftsverhältnis auf 200.000 bis 500.000 Euro. Alles, was diese Summe übersteigt, muss versteuert werden, und dafür fallen im deutschen Modell zwischen sieben und 50 Prozent an.

Steuerfrei bis 200 Quadratmeter

Konkret gibt es für Ehegatten einen Freibetrag von 500.000 Euro, für Kinder sind Erbschaften bis 400.000 Euro steuerfrei, für Enkel bis 200.000 Euro. Je entfernter das Verwandtschaftsverhältnis, umso geringer der Freibetrag. Besteht keine direkte Beziehung, ist alles über 20.000 Euro steuerpflichtig. Und nicht zu gering: Für Erbschaften bis 75.000 Euro muss man bereits 30 Prozent Steuer bezahlen.

Ein Beispiel: Ein Kind erbt eine Wohnung oder ein Haus mit einem Marktwert von 570.000 Euro (und bewohnt es nicht selbst). Abzüglich des Freibetrags von 400.000 Euro müssen also 170.000 Euro versteuert werden. Für diese Summe gilt für Kinder ein Steuersatz von elf Prozent, an den Fiskus sind somit 18.700 Euro abzuliefern.
Wird das gleiche Haus an den Enkel vererbt, muss der in Deutschland deutlich tiefer in die Tasche greifen: Da der Freibetrag bei nur 200.000 Euro liegt, müssen 370.000 Euro versteuert werden, und dafür fallen 15 Prozent an. Der Enkel muss somit 55.500 Euro Erbschaftssteuer bezahlen.

Eine Sonderregelung gibt es im deutschen Steuerrecht, wenn die Wohnung oder das Haus an einen Ehegatten vererbt wird, der in der Immobilie wohnt. Dann bleibt die Erbschaft steuerfrei. Auch bei Kindern und Enkel, deren Elternteil bereits verstorben ist und die in der Wohnung leben, bleibt die Erbschaft steuerfrei. Aber nur bis zu einer Fläche von 200 Quadratmeter. Alles was größer ist, muss anteilig versteuert werden.

Eine ganz wesentliche Beschränkung: Das Haus oder die Wohnung muss von dem Ehegatten, dem Kind oder dem Enkeln zehn Jahre lang bewohnt werden. Wird die Immobilie innerhalb der Zehnjahresfrist verkauft oder vermietet, so entfällt die Steuerbefreiung rückwirkend.
„Das deutsche Modell ist ein gangbarer Weg", meint ein SPÖ-Politiker. Wolle man entsprechende Einnahmen lukrieren, könne man „nicht sehr weit" von diesem Weg abweichen.

Möglich sei, dass man die Erbschaftssteuer gegen die Vermögenssteuer abtauscht, heißt es aus der Koalition. Denkbar sei aber auch eine Realisierung sowohl einer Erbschafts- als auch einer Vermögenssteuer, allerdings mit weitaus höheren Freibeträgen. Die Details werde man in den Verhandlungen mit der ÖVP klären.

Ausnahmen für Betriebe

Ob der Koalitionspartner bereit ist, die Steuer mitzutragen, wird nicht unwesentlich davon abhängen, wie landwirtschaftliche Betriebe und Firmen in der Erbschafts- und Schenkungssteuer behandelt werden. Wieder das Beispiel Deutschland: Dort werden Erben, die den Betrieb fortführen, unter bestimmten Umständen völlig von der verschont, falls vereinfacht ausgedrückt - nicht zu viele Mitarbeiter abgebaut werden.

In Österreich gab es bis 2008 eine Erbschaftssteuer. Sie wurde vom Verfassungsgerichtshof wegen Gleichheitswidrigkeit gekippt, weil für Immobilien die Einheitswerte galten und somit sehr geringe Steuern fällig wurden.