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Mali: "Mit dem Staudamm wird alles gut"

Durch nachhaltige Hilfsprojekte versucht die Caritas, Menschen dauerhaft aus der Mangelernährung zu führen. Die Betroffenen sollen und wollen ihren Teil dazu beitragen.

Bamako/Kayes, "Wenn der Staudamm erst da ist, dann wird alles gut." Issa Traorés Augen verraten, dass er davon felsenfest überzeugt ist. Traoré ist eine der lokalen Kontaktpersonen der Caritas, die in Faladjé, einer Gemeinde nahe der malischen Hauptstadt Bamako, ein wegweisendes Staudamm-Projekt ins Leben rief.

In den Sahel-Ländern wie Mali wird die Bedeutung des Spruches "Wasser ist Leben" auf drastische Weise erlebbar: Zwischen Juni und September ist Regenzeit. Theoretisch. Fällt sie nämlich zur Gänze oder teilweise aus, ist es unmöglich, die Felder zu bestellen. "Bis jetzt haben wir zu wenig Regen, wir konnten noch nicht einmal damit beginnen", klagt Traoré. Die vielen braunroten Flächen entlang der Piste nach Faladjé sprechen eine deutliche Sprache.

Damm heißt hier nicht Stromerzeugung sondern Nahrungsmittelsicherung: Vier "Wasserbremsen" sollen weite Flächen landwirtschaftlich nutzbar machen. Der Boden wird überschwemmt, das Wasser verdunstet und lässt fruchtbare Erde zurück.

Die Caritas liefert das Know-how - und ein Satellitenbild - die Bauarbeiten erledigen lokale Arbeitskräfte. "Es ist wichtig, die Menschen hier von Anfang an einzubinden", erklärt Andrä Stigger von der Caritas Innsbruck, der die aus Österreich mitfinanzierten Projekte im Land koordiniert. Die Devise: Den Menschen keine Entwicklungshilfe als Fertigprodukt vorsetzen, sondern aus ihnen "Teilhaber" machen. Statt sie zu Empfängern zu degradieren, hebt man so ihr Selbstwertgefühl.

Stolz zeigt etwa Samba Diakité im Getreidespeicher von Segoubougou auf einen kleinen Haufen prall gefüllter Säcke: "Das ist von den Gemeinschaftsfeldern." Der zweite Stapel mit den Säcken der Caritas-Hilfe ist zwar fast zehnmal so groß, "aber wir wissen, dass wir auch selbst etwas leisten müssen", sagt Diakité, "Herr des Getreides" in dem kleinen Ort, eineinhalb rumpelnde Pisten-Stunden von Malis Gluthölle Kayes entfernt.

Der 2002 mit Hilfe aus Österreich gebaute Speicher unterbrach einen tödlichen Kreislauf: Ohne adäquate Lagerungsmöglichkeit musste man früher das Getreide nach der Ernte zu Spottpreisen verscherbeln - um später in Mangelzeiten Säcke zu einem mehrfach höheren Preis zu kaufen.

Auf dem Dorfplatz demonstrieren inzwischen die Frauen von Segoubougou, was sie in den Kursen der Caritas gelernt haben: Alles drängt sich um den Kübel mit einer zähflüssig-braunen Masse, im 15-Sekunden-Takt wechselt der Holzstock von Hand zu Hand. Seife zu rühren ist anstrengend. Ist der Brei dick genug, verwandeln ihn geschickte Hände in "Seifen-Germknödel" aus Palmöl und Pottasche.

Ganze 200 Euro machte der Mikrokredit für die Frauen aus. Damit kauften sie die erste Charge Grundprodukte, seither trägt sich die Produktion selbst, die Seife wird in umliegenden Dörfern verkauft. Vom Einnahmen-Überschuss zahlt man den Kredit zurück.

Speicher und Seifenproduktion zeigen, was Caritas-Österreich-Präsident Franz Küberl mit "Hunger ist kein Naturereignis, sondern Folge menschlichen Handelns oder Nichthandelns", meint.

Nichthandeln ist auch in der Therapie ein großes Problem: "Viele Hunger-Kranke kommen gar nicht zu uns", sagt Tina Isaac, Leiter einer Gesundheitsstation. Nicht, weil sie aus einem Umkreis von 15 Kilometern oft mit Schubkarren gebracht werden müssen. Aber weil Unterernährung nicht als Krankheit angesehen wird, sondern als normal."

Stößt christliche Hilfe in einem zu mehr als drei Viertel muslimischen Land nicht auf Widerstand? "Zuerst hatten einige von uns Angst, dass ihr missionieren wollt", erzählt Segoubougous Dorfchef Sidique Coulubalou. "Aber wir sind immer noch muslimisch, und die Caritas ist immer noch christlich."