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Verhindert das anthropogene CO2 die nächste Eiszeit?

Symbolbild
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In der erdgeschichtlich letzten Situation, die mit der Gegenwart vergleichbar ist, trugen niedere Treibhausgasgehalte in der Atmosphäre zur Kälte bei. Eine Eiszeit ist in absehbarer Zeit nicht zu fürchten.

Derzeit macht die Erwärmung Sorge, sie lässt etwa Gebirgspflanzen die Hänge hinaufwandern. Den Platz unten nehmen wärmeliebende Arten ein, eine Gruppe um Harald Pauli (Gebirgsforschung der Akademie der Wissenschaften) hat es europaweit für 2001 bis 2008 erhoben und nennt den Effekt „Thermophilisierung“: Fünf Prozent der Gebirgspflanzen haben ihre Standorte verändert (Nature Climate Change, 8. 1.). Aber in längerer Frist droht Abkühlung: Wir leben in einer Zwischeneiszeit, das sind erdgeschichtlich kurze Unterbrechungen der Eiszeiten. Die dauern um die 100.000 Jahre, dann kommen etwa 10.000 Jahre Wärme.

Aber nur „etwa“ und „um die“: Die letzte Eiszeit ging vor 12.800 Jahren zu Ende. Diese Bandbreite kommt von der Himmelsmechanik: Die Erde ist nicht immer gleich weit von der Sonne weg („Exzentrizität“), ihre Achse neigt sich und trudelt, all das folgt (verschieden) langen Zyklen – die Exzentrizität einem von 100.000 Jahren –, die nach ihrem Entdecker Milanković benannt sind. Sie müssen zusammenspielen, wenn eine Eiszeit kommen soll.

Noch 1500 Jahre Frist bis zur Kälte?

Wann kommt die nächste? Luke Skinner (Cambridge) hat nach einer Zwischeneiszeit Ausschau gehalten, die von der Himmelsmechanik der unseren am ähnlichsten war. Sie fand sich vor 780.000 Jahren („Marine Isotope Stage 19c“, MIS19c). Das ist in Eisbohrkernen dokumentiert, und die folgende Eiszeit hat Spuren etwa am Meeresboden hinterlassen: Wo Eisberge schmelzen, sinken Steine hinab, die im Eis waren, an ihnen sieht man, wie weit die Eisberge nach Süden vordrangen. Zusammen stellen uns diese Daten noch 1500 Jahre bis zur nächsten Eiszeit in Aussicht (Nature Geoscience, 8. 1.).

Aber die wird überhaupt nicht kommen, vermutet Skinner (Nature Geoscience, 8. 1.). Denn der zweite große Faktor neben der Sonneneinstrahlung ist die interne Heizung der Atmosphäre durch Treibhausgase, vor allem CO2. Dessen Konzentration war bei MIS19c mit 240 ppm (Teilchen pro Million) nicht nur geringer als heute (370 ppm), sondern auch geringer als in der vorindustriellen Zeit (288). Und für Skinner kommt die Kälte eben erst bei 240 ppm. Das trifft sich mit der Hypothese von William Ruddiman (University of Virginia), der zufolge schon frühe Agraraktivitäten – Abholzung, Reisanbau – so viel Treibhausgase in die Atmosphäre brachten, dass eine Eiszeit in absehbarer Zeit nicht zu fürchten ist. jl