Die heutige Sonnenfinsternis löst Beben aus, glauben viele Türken.
ISTANBUL/WIEN (keet./wg). Die Wettervorhersage für Österreich für heute, Mittwoch, ist wenig erfreulich: Regen und Wolken trüben überall die Sicht. Gegen 13 Uhr wird es sogar scheinen, als sei die Welt plötzlich noch etwas düsterer als sonst. Es ist freilich nur eine Sonnenfinsternis, die das Lichtniveau im Lande kurzzeitig senkt.
Von uns aus gesehen ist diese dabei nur partiell: Der Mond schiebt sich zwischen 11 Uhr 44 und 14 Uhr nur zu maximal 45 Prozent vor die Sonnenscheibe. Was man am Himmel wegen der Wolken nicht sehen kann, zeigt die Grafik unten.
Entlang eines gut 15.000 km langen, 200 km breiten Bandes ist die Sonnenfinsternis sogar total: Der Mond deckt von da aus gesehen die Sonne ganz ab. Die Zone reicht von der Küste Brasiliens bei Recife über Togo, Tobruk (Libyen), Antalya (Türkei), Georgien, Kasachstan bis nahe zum Baikalsee in Sibirien. Viele Hobbyastronomen aus Österreich sind in den türkischen Ferienort und nach Libyen gereist; immerhin ist die nächste Totale nahe Europa erst 2026. Wer die "schwarze Sonne" über Österreich sehen will, muss bis 3.9.2081 warten.
Viele Türken fürchten sich indes angesichts der Sonnenfinsternis vor einem Erdbeben: Sonne, Mond und Erde stehen heute ja auf einer Linie - und weil das Wechselspiel der Gravitation von Sonne und Mond auf der Erde die Gezeiten bewirkt, geht die Angst um, dass auch die tektonischen Verwerfungen im Land in Bewegung geraten. Der Wissenschaftler Mustafa Yildirim warnte die Provinzgouverneure vor einem großen Beben zwischen Antalya und Giresun am Schwarzen Meer - es hätte sich aber schon Montag zutragen sollen. Im April soll aber ein weiteres Beben der Stärke Sieben in Mittelanatolien folgen.
Tatsächlich hatte es kurz vor dem Beben am 17.8.1999, bei dem in Istanbul 17.000 Menschen starben, eine in Mitteleuropa sichtbare Sonnenfinsternis gegeben. Der türkische Astronom Tamer Aytac verfasste eine globale Statistik über 29 Jahre, wonach auf eine Finsternis mit 45%iger Wahrscheinlichkeit ein großes Beben folgt.
Solche Theorien hört man in esoterisch angehauchten Kreisen. Rational Denkende sehen keinen Konnex: Sonne, Erde und Mond stehen alle zwei Wochen auf exakt einer Linie, einmal davon (bei Neumond) ist der Mond der Sonne näher als die Erde, sodass beide die Erde in dieselbe Richtung "ziehen". Große Beben müsste es also eigentlich alle 14 Tage geben. Tut es aber nicht.
Als Gott sprach
"Wie der letzte Funke eines erlöschenden Dochtes schmolz eben auch der letzte Sonnenfunken weg, wahrscheinlich durch die Schlucht zwischen zwei Mondberge zurück - es war ein ordentlich trauriger Augenblick -, deckend stand nun Scheibe auf Scheibe - und dieser Moment war es eigentlich, der wahrhaft herzzermalmend wirkte, - das hatte keiner geahnt - ein einstimmiges "Ah" aus aller Munde, und dann Totenstille. Es war der Moment, da Gott redete und die Menschen horchten."
(Adalbert Stifter über die totale Sonnenfinsternis über Wien, 8. Juli 1842)