USA: Burger, gefährlich wie Osama bin Laden

Die US-Gesundheitsbehörde bezeichnet die zunehmende Fettleibigkeit der Amerikaner als Sicherheitsrisiko.

Washington. In Zeiten von Diät-Bestsellern und fettfreier Milch ist es ein mutiger Schritt: "Monster Thickburger" nennt sich der Hamburger, den die Fast-Food-Kette "Hardees" in den USA anbietet. Wer den bestellt, hat um 5,49 Dollar eigentlich schon zu Mittag und zu Abend gegessen: Der Burger allein hat stolze 1420 Kalorien.

Nach Ansicht von Richard Cameron ist dieser Burger für die USA eine nicht minder große Bedrohung als Osama bin Laden. Der Leiter der US-Gesundheitsbehörde bezeichnete jetzt bei einem Vortrag an der Universität von South Carolina die Fettleibigkeit der Amerikaner als "Terror im Inneren".

"Wenn wir nichts dagegen tun, wird das Ausmaß des Problems den 11. September und irgendwelche anderen Terrorakte in den Schatten stellen", meinte Cameron. Mit Blick auf die steigende Zahl fettleibiger Kinder müsse man sich fragen, wo die USA künftig die notwendigerweise fitten Soldaten, Seeleute, Polizisten, Feuerwehrleute und Piloten herbekommen sollen. "Das wird uns in der Zukunft vor eine schwierige Aufgabe stellen." Die US-Armee, die unter Rekrutenmangel leidet - Fettleibigkeit ist die häufigste Ursache für Untauglichkeit -, hat bereits auf die Entwicklung reagiert: Die Fitness-Anforderungen an neue Soldaten wurden deutlich erleichtert.

Übertrieben ist die Sorge des Gesundheitschefs nicht. Die Zahl dicker und fettleibiger Kinder hat sich seit den 70er Jahren verdreifacht. Bereits zehn Prozent der Zwei- bis Fünfjährigen gelten als fettleibig, bei den sechs bis 19-Jährigen sind es 15 Prozent. Bei den über 19-Jährigen schnellt dieser Prozentsatz steil nach oben: 66 Prozent der erwachsenen Amerikaner gelten als übergewichtig oder fettleibig (Übergewicht ist definiert als fünf bis 15 Kilogramm über dem normalen Körpergewicht; ab 15 Kilogramm spricht man von Fettleibigkeit).

Fettleibigkeit ist auch ein soziales Problem. Der ärmste US-Bundesstaat Mississippi ist zugleich jener mit den meisten übergewichtigen Einwohnern. Sieben der zehn Bundesstaaten mit den meisten Dicken liegen im armen Südwesten der USA. Der als reich geltende Nordosten der USA zählt laut Statistik zu den gesündesten Gebieten mit den schlanksten Einwohnern. Dazu passt, dass laut Statistik mehr Afro-Amerikaner als Weiße dick sind: Während ein Drittel der weißen Frauen als dick eingestuft wird, sind es unter schwarzen Frauen 50 Prozent.

Die Auswirkungen der Fettleibigkeit für die USA sind dramatisch. Jedes Jahr sterben 300.000 US-Bürger an den Folgen ihres Übergewichts. Das Gesundheitssystem muss jährlich mehr als 120 Milliarden Dollar für die Behandlung von Krankheiten aufwenden, die von Übergewicht verursacht werden. Geht die Entwicklung so weiter, wird im Jahr 2050 ein Drittel der US-Bürger zuckerkrank sein. Die durchschnittliche Lebenserwartung dürfte um fünf Jahre sinken.

Der "Monsterburger" verkauft sich trotz allem gut, und "Hardees" muss sich auch keine Sorgen um rechtliche Konsequenzen machen: Der US-Kongress hat ein Gesetz verabschiedet, wonach Fast-Food-Ketten nicht für die Folgen von Fettleibigkeit haftbar gemacht werden können.

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