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Polen: Staatsanwalt schießt sich während Pressekonferenz in Kopf

Der Oberst war an den nur schleppend laufenden Ermittlungen zum Flugzeugabsturz von Smolensk beteiligt.

Warschau/Ag. Dramatische Pressekonferenz in der polnischen Stadt Posen: Nachdem er eine Erklärung abgegeben hatte, bat Staatsanwalt Mikolaj Przybyl die Journalisten „für eine Pause“ aus seinem Arbeitszimmer. Eine Kamera lief jedoch weiter. So war im Fernsehen zu hören, wie Przybyl eine Pistole entsicherte und einen Schuss abgab. Schwer verletzt überlebte der Militär-Staatsanwalt den Selbstmordversuch.

In der Konferenz musste Oberst Przybyl zu Vorwürfen Stellung nehmen, er habe widerrechtlich die Mobilfunkdaten von zwei Journalisten angefordert. Dabei geht es um die laufenden Ermittlungen wegen des Absturzes des polnischen Regierungsflugzeugs in Russland vor zwei Jahren. Bei dem Unglück nahe der westrussischen Stadt Smolensk starben im April 2010 der polnische Präsident Lech Kaczyński und viele hochrangige Mitglieder der Regierung.

Über die schleppend verlaufenden Ermittlungen gelangten immer wieder eigentlich geheime Details an die Presse. Przybyls Aufgabe war es, die undichten Stellen zu finden. Vor seinem Selbstmordversuch sagte er, er habe in seinen Ermittlungen „das Recht nicht verletzt“, entsprechende Vorwürfe seien Lügen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2012)