Immobilien 2012: Boom bei Wohnungen, Büros schwach

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Symbolbild Immobilien(c) (Clemens Fabry)
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Auf dem Immobilienmarkt sind derzeit vor allem Wohnungen und Einzelhandelsimmobilien gefragt.

Der Wiener Büromarkt steht heuer zum fünften Mal in Folge vor Rückgängen und professionelle Investoren halten sich wegen schwerer zu bekommenden Kreditfinanzierungen mit dem Kauf von Objekten zurück. Der Nachfrageboom nach Wohnraum wird 2012 dagegen weitergehen, und bei den Einzelhandelsimmobilien sind vor allem Neuprojekte in 1A-Lagen gefragt. Diesen Ausblick gab am Dienstag EHL Immobilien, der nach Eigenangaben österreichweit größte Vermittler von Büroraum.

2012 wird laut EHL-Ausblick bei den Büros die Vermietungsleistung auf 200.000 Quadratmeter von zuletzt 210.000 m2 zurückgehen, und auch die Neuflächenproduktion dürfte um etwa 10.000 Quadratmeter auf 170.000 m2 schrumpfen. Es wird viele Umzüge lokaler Unternehmen in modernere und flächeneffizientere Büros geben, "daher werden die Leerstände trotz der geringeren Neuflächenproduktion 2012 (auf 6,5 Prozent, Anm.) leicht ansteigen", schreibt EHL. Die höchsten Leerstände seien in älteren Bürogebäuden mit hohen Betriebskosten zu erwarten. Die Mietpreise würden im Schnitt nominell gleich bleiben, real aber sinken, rechnet EHL-Büromarktspezialistin Alexandra Ehrenberger.

Starke Nachfrage durch Einzelhandel

Bei Einzelhandelsimmobilien ortet der Immobiliendienstleister eine weiter starke Nachfrage nach Flächen in Toplagen, speziell in den gerade entstehenden Einkaufszentren (EKZ) wie jenem am neuen Wiener Westbahnhof ("BahnhofCity Wien West"). In solchen Anlagen erwartet man von Anfang an einen hohen Vermietungsgrad. Auch bei anderen EKZ liefen die Vorvermietungen gut, das im Herzen der Wiener City liegende "Goldene Quartier" (Signa Holding) habe bereits etliche prominente Mieter gewinnen können. Am Graben und Kohlmarkt liegen die Quadratmetermieten derzeit bei 180 bis 340 Euro. Dagegen werde sich der "Konkurrenzkampf unter den bestehenden Einkaufszentren sowie im Bereich der Einkaufsstraßen der zweiten Reihe verschärfen".

Der Wohnungsboom soll auch 2012 anhalten und sich in Wien auf bisher eher vernachlässigte Lagen erstrecken. Schon heute könnten selbst in durchschnittlichen Lagen im 6., 7. oder 9. Bezirk Quadratmeterpreise von 5000 Euro erzielt werden. Wien sei "dabei, zum noch immer deutlich höheren Preisniveau in anderen Großstädten wie z.B. München aufzuschließen", meint Sandra Bauernfeind, die Wohnspezialistin der EHL. 2011 seien die Eigentumspreise zwischen 7 und 9 Prozent gestiegen, die (ungeregelten) Mieten seien aber nur um 2 bis 5 Prozent teurer geworden.

Kreditfinanzierung schwierig

Der gewerbliche Investmentmarkt hat bereits seit Herbst mit Gegenwind zu kämpfen, weil Kreditfinanzierungen für mittlere und große Transaktionen schwieriger zu bekommen sind, meint der Chef der EHL-Investmentabteilung. Die geringe Nachfrage konzentriere sich dabei immer stärker auf das absolute Topsegment, allein bei Wohnimmobilien gebe es nach wie vor ein "sehr positives Sentiment". Das Transaktionsvolumen lag 2011 geringfügig höher als 2010 bei 1,5 Milliarden Euro.

Die EHL-Gruppe, Partner der internationalen Immobilienunternehmens Savills, beschäftigte Ende 2011 160 Mitarbeiter, davon 50 in Wien und 110 an den Zentral- und Osteuropa-Standorten. EHL hat im vergangenen Jahr 50.000 m2 an Gewerbeimmobilien und 1100 Wohnungen vermittelt, das betreute Transaktionsvolumen beträgt 300 Millionen Euro. EHL entstand 2009 durch ein Management-Buy-Out von Michael Ehlmaier, dem damaligen Geschäftsführer des Immobilienunternehmens CPB Immobilien der Constantia Privatbank.

(APA)

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