Waisenhaus. Das Hilfsprojekt Concordia eröffnet nach Rumänien und Moldawien ein Haus in der Ukraine. "Presse"-Aktion. Spenden Sie für die Hilfsprojekte von Pater Sporschill in Osteuropa.
Schitomir. Die Haube tief ins Gesicht gezogen, schaut Dima ins Leere. Der 13-Jährige hat mehrere Monate lang auf den Straßen der westukrainischen Stadt Schitomir gelebt, Lack und Klebstoff geschnüffelt, ohne jede Perspektive. Seine Eltern sind geschieden, seine Mutter Alkoholikerin und nicht interessiert am Leben ihres Sohnes. Komplett verwahrlost war er, als er eines Nachts Sozialarbeitern begegnete und sie um heißes Wasser bat - eine entscheidende Wende seines Lebens.
Mittlerweile hat Dima eine neue Familie gefunden. Hier in einem ehemaligen Sanatorium hat für ihn und seine 8-jährige Schwester Anja ein neues Leben begonnen. Denn hier fanden sie ein neues Zuhause im "Land der Kinder", der neuesten Errungenschaft des Sozialprojekts Concordia von Jesuitenpater Georg Sporschill.
Anfang der Neunziger Jahre hatte er in Bukarest das erste derartige Kinderhaus errichtet. Von dort aus expandierte er zunächst innerhalb Rumäniens, baute weitere Häuser und Einrichtungen. 2004 wagte er den Schritt in die moldawische Hauptstadt Chisinau. "Aus Straßenkindern Hoffnungskinder machen", so das Motto.
Und nun hat die Hilfsorganisation den Sprung in ein weiteres osteuropäisches Land geschafft - in die die Ukraine. Das dortige Zusammenspiel von Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und Aussichtslosigkeit ist dafür verantwortlich, dass allein in Schitomir rund 4000 Kinder lieber auf der Straße leben, als in völlig verwahrlosten Elternhäusern durch die Hölle zu gehen.
Für zumindest einige von ihnen gibt es nun eine Alternative: Am gestrigen Freitag wurde das neue Haus in Schitomir, das Platz für 72 Kinder von der Straße oder aus Problemfamilien bietet, feierlich eröffnet. Die Initiative war ging von der Kärntner Familie Grolitsch ausgegangen, die hier seit mehreren Jahren eine Firma betreibt. Für die Umsetzung holte man Pater Sporschill ins Boot, der für die Finanzierung das Stift Klosterneuburg und das Land Niederösterreich gewinnen konnte.
Das Haus selbst stellten die ukrainischen Behörden kostenlos zur Verfügung. Das Concordia-Modell sieht vor, zunächst das Vertrauen der Straßenkinder zu gewinnen, etwa durch Streetwork, mobile Kantinen oder Sozialzentren, in denen medizinische Erstversorgung, Waschgelegenheiten, Kleidung, Essen und Notschlafplätze angeboten werden.
In einem weiteren Schritt sollen die Kinder in eigens eingerichteten Häusern ein Dach über dem Kopf - und eine Familie bekommen. Wieder in einem sozialen Netzwerk verankert, geht es darum, den Jugendlichen eine eine Ausbildung zu ermöglichen. Für Dima und Anja scheint dieses neue Umfeld gut zu funktionieren. Die ehemals verwahrlosten Kinder sitzen bei der Eröffnung brav daneben, fein angezogen, das Mädchen mit einem Blumenband im Haar, und lächeln. "In der Schule sind sie mittlerweile die Klassenbesten", erzählt ihr Betreuer Roman stolz. Für sie scheint es ein Happy End zu geben.
Damit aber auch weiteren Kindern geholfen werden kann, braucht die Organisation Hilfe. Einerseits werden laufend junge Menschen gesucht, die ehrenamtlich in den Kinderhäusern mitarbeiten, andererseits werden auch laufen Spenden benötigt - etwa mit jenem Zahlschein, der der aktuellen Ausgabe der "Presse" beiliegt.
Um Kindern wie Dima und Anja zu helfen, den kalten ukrainischen Winter gesund zu überstehen. Um Jugendlichen, die keine Chance haben, eine Chance auf eine Zukunft zu geben. Und um dafür zu sorgen, dass aus ihnen Hoffnungsträger für die weitere Entwicklung ihres Landes werden können.