Songcontest: Die Kandidaten für Aserbaidschan

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Wer vertritt Österreich beim Songcontest in Baku? Im Wiener „Volksgarten“ präsentierten sich die Kandidaten. Ein Überblick über das Geschehen rund um das Wettsingen.

Wer gewinnt, hat letztlich auch verloren“, meint Cartoonist Tex Rubinowitz, seit Jahrzehnten leidenschaftlicher Songcontest-Beobachter. Schon im Vorjahr wagte er sich aufs aserbaidschanische Territorium, flanierte als freundlicher Paparazzo durch die Hauptstadt Baku und rätselte, warum das zwischen dem Kaspischen Meer und dem Kaukasus eingezwängte Land musikwettbewerbstechnisch zu Europa gehört.

Rubinowitz, Schöpfer bahnbrechender Cartoonbände wie „Die Invasion der grünen Fussel“, entwickelte so seine Ahnungen: „Hätte Griechenland zuletzt gewonnen, wäre das Desaster perfekt. Deutschland konnte sich das gerade noch leisten. Man weicht immer weiter in den Osten aus, weil sich das alte Europa diesen Singwettbewerb offenbar gar nicht mehr leisten kann.“ Ö3-Moderator Andi Knoll erwartet vom ölreichen Gastgeberland mindestens goldene Kutschen für die Teilnehmer. Diese werden ab sofort in den landesinternen Ausscheidungen ermittelt. Weil das Daumen-rauf-/Daumen-runter-Spiel gar so lustig ist, kapriziert sich der heimische Sender Ö3 darauf, das neue Liedgut im Powerplay in die Ohren der Österreicher zu pressen.

Unter dem Motto „Österreich rockt den Songcontest“ fanden sich neun der zehn Kandidaten für ein Ständchen in der Wiener Volksgarten-Diskothek ein. Sidos Heimkinder-Rap-Kombo „Blockstars“ präsentiert ihr Gstanzl erst in der letzten Folge von „Sido macht Band“ am 2.Februar.

Conchita Wurst eröffnete den Abend mit schrillem Bombast, der ästhetisch Anleihen an Queen, Gloria Gaynor und Divine nahm. Das bärtige Wesen, das sich als „bescheidenes Mädchen, das einfach alles will“, bezeichnete, brillierte erwartungsgemäß. Wursts liebste Message von der „gelebten Toleranz und Akzeptanz“ in eine schiitische Republik zu tragen, wäre nach Alois Mocks unvergessenem Jordanien-Besuch in kurzen Hosen das Subversivste, das Österreich in die Welt schicken könnte.

Eher wenig Chancen dürfte Norbert Schneider mit seinem mit Mickey-Mouse-Stimme vorgetragenen „Medicate My Blues Away“ haben. Nur schleppend folgen seine Fähigkeiten den großen künstlerischen Ambitionen. Besonders niederschmetternd war der Auftritt des angejahrten, schon mehrmals wieder vergessenen Duos Papermoon. Das schnulzige „Vater, Father, Mon Pére“ drängte die Frage auf, wie es möglich ist, mit einer einzigen Melodie zwei Dekaden im österreichischen Musikbusiness zu überleben.

Aserbaidschan beherbergt Wölfe und Bären, Leoparden und Gazellen. Da wird wohl auch der weißen Maus eine Einreisegenehmigung erteilt, die Valerie derzeit auf ihrem Barett trägt. Die Blondierte, für die die Wärme des Scheinwerferlichts überlebensnotwendig ist, hat mit „Comme Ça“, einer groovigen Hymne an das noble Gefühl des Fatalismus, bezirzt. „Gelassenheit“ ist auch ihr Motto fürs neue Jahr. Trotzdem glaubt sie an die Möglichkeit ihres Siegs.

Mit ungleich derberen Mitteln wollen die oberösterreichischen Traktor-Rapper Trackshittaz diesen holen. Ihr ein bisserl gar unsublimes „Woki mit deim Popo“ wirkt wie maßgeschneidert für Kolchosenarbeiter. Ein Lied, das den angenommenen Ästhetikvorsprung der Westler völlig aufhebt und klug die Chancen mehrt, indem es das Provinzielle als universale Konstante darstellt. Die Dialektrocker Krautschädel dürften mit „Einsturzgefohr“ wohl nur regional erregen.

Die neben Papermoon fadeste Performance lieferte der gebürtige Brite James Cottriall, dessen „Stand up“ auf durchschnittliche Weise einen Beitrag zum Genre Heile-Welt-Seicherl-Pop leistete. Die Mary Broadcast Band bezirzte mit der netten Soulnummer „How Can You Ask Me“, die international besetzten !DelaDap mit dem hocharomatischen „Crazy Swing“, der darauf bestand, dass Jugend nichts mit Alter zu tun hat. Auch das ist eine Idee von internationalem Format. Darauf sollte man beim heurigen Voten achten.

Zum Songcontest

Die Kandidaten: James Cottriall, !DelaDap, Krautschädl, Mary Broadcast Band, Papermoon, Norbert Schneider, Trackshittaz, Valerie, Conchita Wurst und Sidos „Blockstars“-Band.

Am 24.Februar wird in einer Show auf ORF eins live entschieden, wer zum Songcontest am 26.Mai in Baku fährt (Semifinale am 22. und 24.Mai).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2012)

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