Klosett ohne Wasser, Stolz auf Kundenvertreibung: Neuigkeiten aus der Zauberwelt der Flughäfen.
Des Teufels Experimentierlabor ist der Flughafen: Alles, was das Leben in der postindustriellen Gesellschaft beschwerlich macht, wird dort an hilflosem Testpersonal ausprobiert. Ein Beispiel dafür sind Check-in-Automaten. Aus der tayloristischen Idee geboren, dass man das Ausstellen von Flugkarten automatisieren und damit viel Geld sparen kann, wendet sich diese sogenannte „Prozessoptimierung“, für die irgendein Managementwichtel gewiss üppig prämiert wurde, gegen ihre Aushecker: Zu Dutzenden schleicht kollektivvertraglich zu entlohnendes Bodenpersonal um die Automaten herum, um uns Reisedeppen die Handhabung derselben zu erläutern.
Das mag man gut finden, schafft es doch Arbeitsplätze, die erwiesenermaßen nicht nach Fernost verlagert werden können. Doch wie steht es mit jener Innovation, die wir neulich auf dem Brüsseler Flughafen Zaventem erspäht haben? „Diese wasserlose Toilette spart bis zu 250.000 Liter wertvollen Trinkwassers“, teilte uns der Betreiber GDF-Suez stolz per Plakette mit. Nicht nur das: Der Besuch eines solchen Aborts erspart auch die Safari im Dschungel von Jaipur, denn wer wissen will, wie ein bengalischer Königstiger riecht, wenn er kurz für bengalische Königstiger muss, kann er das nun mitten in Europa gefahrlos erleben.
Den Höhepunkt kundenfeindlicher Ausheckerei liefert das Geschäftslokal für Olympia-2012-Devotionalien in London-Heathrow. „Proud to only accept Visa“, rühmt man sich dort. Stolz darauf zu sein, Kunden ohne Visa-Kreditkarte wegzuweisen: Das ist fast so frech, als würden Fluglinien ihre Passagiere erst per Klimaanlage ordentlich dehydrieren, um ihnen dann an Bord Wasser gegen teures Geld zu verkaufen.
Was natürlich ein rein fiktives Beispiel ist.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2012)