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Volkshilfe: Ex-Erzieher unter Missbrauchsverdacht

Symbolbild: Kinderheim
Symbolbild: Kinderheim(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Der Erzieher soll im Kinderwohnheim in Pitten Buben missbraucht haben. Als die Volkshilfe das Dienstverhältnis auflöste, fand er sofort eine neue Stelle.

Im Wohnheim Pitten im niederösterreichischen Bezirk Neunkirchen der Volkshilfe Wien soll es zum Missbrauch von Kindern gekommen sein. Als Verdächtiger gilt ein inzwischen ehemaliger Erzieher, bestätigte Geschäftsführer Walter Kiss am Donnerstag einen ORF-Bericht. Laut Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt geht es um Fälle aus den 1990er-Jahren und aus 2010. Ermittlungen seien im Gang.

Der Verdacht gegen den Erzieher wurde im Sommer 2010 von einer Kollegin geäußert, die Volkshilfe ist der Sache nachgegangen. Letztlich wurde das Dienstverhältnis mit dem Mann nach 19 Jahren "einvernehmlich" aufgelöst und eine Abfertigung gezahlt. Außerdem wurde Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt erstattet. Die Volkshilfe Wien habe aufgrund der Verdachtslage "alle Maßnahmen getroffen", betont Geschäftsführer Kiss.

Brisantes Detail der Geschichte: Der Erzieher soll laut Ö1-"Mittagsjournal" des ORF-Radio in ein Kinderdorf ins Burgenland gewechselt sein. "Engagierte Personen" hätten das dortige Landeskriminalamt informiert. Als Ermittlungen aufgenommen wurden, habe sich die Einrichtung von dem Verdächtigen getrennt.

Beschuldigter "teilweise geständig"

Hinsichtlich der drei mutmaßlichen Opfer im Volkshilfe-Heim aus den 1990er-Jahren sei ein "Großteil verjährt", heißt es von der Staatsanwaltschaft. In einem Fall sei jedoch ein Gutachten zu einer allfälligen Körperverletzung beauftragt, auf das die Anklagebehörde noch warte. Aus 2010 gehe es um zwei weitere Buben, die nach wie vor in Pitten in Betreuung sind und kontradiktorisch einvernommen wurden. Die Ermittlungen laufen.

Der Beschuldigte sei "teilweise geständig". Er befinde sich auf freiem Fuß, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt.

Bei der Hotline für Opfer, die der Weiße Ring und die Stadt Wien eingerichtet haben, sollen sich laut ORF drei mittlerweile erwachsene Betroffene aus den 1990er-Jahren gemeldet haben. Dem Bericht zufolge hat der Erzieher, nachdem sich die Volkshilfe Wien als Betreiber des Kinderwohnheimes Pitten einvernehmlich von ihm getrennt hatte, außerdem bei einem anderen Kinderheim anheuern können. Er soll in eine Einrichtung ins Burgenland gewechselt sein. "Engagierte Personen" hätten das dortige Landeskriminalamt informiert. Als Ermittlungen aufgenommen wurden, habe sich das Heim von dem Verdächtigen getrennt.

Anzeige "sehr rasch zurückgelegt"

Die Leiterin der Arbeitsrechtsabteilung der Arbeiterkammer Wien, Irene Holzbauer, sagte zum ORF, man hätte den Mann bis zur endgültigen Klärung aller Vorwürfe suspendieren oder kündigen können. Wenn Verdachtselemente vorhanden seien, so könnte auch unabhängig von der Strafbarkeit eines Verhaltens eine Entlassung ausgesprochen werden.

Die Volkshilfe Wien teilte am Nachmittag in einer Aussendung mit, dass die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt im Sommer 2010 die Anzeige "sehr rasch zurückgelegt" habe. Die betroffenen Kinder seien umgehend psychologisch betreut worden und würden seither therapeutisch begleitet. Aufgrund neuer Verdachtsmomente habe die Staatsanwaltschaft die Untersuchungen Ende 2011 wieder aufgenommen, was von der Volkshilfe Wien "ausdrücklich begrüßt und uneingeschränkt unterstützt" werde.

(APA/red.)