Just der Porsche, der vor fünf Jahren noch undenkbar war, wischt Zweifel an seiner Berechtigung ganz locker beiseite. Der Diesel ist mit Abstand das bestverkaufte Panamera-Modell.
Der Firma Porsche sind in den letzten zehn Jahren eigentlich nur zwei Dinge nicht gelungen: Volkswagen zu übernehmen (es war allemal knapp) und, gewissermaßen feinstofflich enthoben, sich dem Monstertrend der Automobilbranche zu entziehen: der ernsthaften Reduktion der Verbrauchswerte, mithin der CO-Emissionen. Deswegen gibt es einen Hybriden im Programm und auch bereits einen Diesel, mehr von beidem folgt, und das Comeback des Vierzylinders (im Boxster) ist in Sichtweite.
Man tut sich da leichter im Konzernverbund als, sagen wir, Ferrari oder Aston Martin, abgesehen von zehnmal höheren Stückzahlen. So stammt auch der Dieselmotor des Panamera von Audi, mit der delikaten Spitze, dass man im A6 bereits mit der nächsten Ausbaustufe des 3,0-Liter-V6 unterwegs ist, mit 313 statt 250 PS.
Während die Puristen noch streiten, ob Porsche das alles überhaupt darf, hat sich der Diesel ohne Umwege zum mit Abstand bestverkauften Panamera-Modell im Land entwickelt. Porsche findet völlig neue Kunden, und speziell in Österreich verschafft die NoVA-Regelung dem Selbstzünder einen Preisvorteil, er ist mit 90.160 Euro der, äh, billigste Panamera. Anderswo kosten V6-Benziner und Diesel gleich viel. Dass Dieselmotoren im Vergleich zu Benzinern zwar sparsamer sind, nicht aber umweltfreundlicher, sondern aufgrund ihrer Schadstoffemissionen das genaue Gegenteil davon, muss man nicht ausgerechnet am Beispiel dieser Marke erörtern.
Anders als der Hybrid, der aus Sicht des Fahrers eine irgendwie sinnlose Kreatur ist (unternehmenspolitisch verhält sich das anders), vermittelt der Diesel ein verblüffend stimmiges Gesamtpaket. In einem viertürigen Auto, das fast zwei Tonnen wiegt, muss man nicht immer der Schnellste sein, im Gegenzug weiß man es aber zu schätzen, wenn man die Distanz Wien–Genua locker in einer Tankfüllung unterbringt. Die Sorge, untermotorisiert zu sein, braucht einen nicht zu quälen. In diesem Format ist das Drehmoment die harte Währung, und mit 550 Newtonmetern übertrifft der Diesel-Sechszylinder den V8 des Panamera S um zehn Prozent. Zudem haben Porsches Ingenieure dem Motor nicht bloß etwas Feinschliff angedeihen lassen. Er klingt anders (tief brummend, aber nie nagelnd), und er hängt alerter am Gas, als man das in seinen anderen Erscheinungsformen kennt. Das Zusammenspiel mit der Achtgangautomatik, die auch Start-Stopp beherrscht, ist so hervorragend, dass es kaum notwendig ist, tief ins Gas zu latschen, um Sprints einzulegen.
Zumal man im Sport-Plus-Modus ein aggressiveres Mapping für Gasannahme, Gangwechsel und Fahrwerk abrufen kann, wenn sich das geeignete Geläuf auftut, idealerweise ohne Passagiere im Fond. Unglaublich, wie schnell und präzise man dieses Fünfmeter-Schlachtschiff durch Kurven treiben kann. Bravourös, wie sich das Auto jedes Untersteuern verbittet und der präzisen, in keiner Gangart nervösen Lenkung folgt. Die Sportwertung hat dort ein Ende, wo das Drehzahlband vollends erschöpft ist (immerhin erst im roten Bereich knapp über 5000 Touren) und unter Volllast kein höherer Gang eingeschossen wird. Die Klientel dieses Autos wird das mit Fassung tragen. Selbst auf Schneefahrbahn begegneten wir Traktionsproblemen nicht einmal ansatzweise, die mangelnde Allradoption sollte kein Wort gegen den Diesel sein. Wir schlossen die Testfahrten mit 7,8 Litern/100 km.
Im Übrigen gilt die bewährte Panamera-Formel: viel Platz und Komfort für zwei im Fond, funktionierendes, ablenkungsfreies Cockpit trotz der vielen Schalter, null Sicht außer nach vorn, fantastische Wertanmutung innen wie außen, tonnenweise Präsenz auf der Straße. Ein Diesel, aber die Hirschgeweihe im Wappen allemal wert.
Auf einen Blick
Porsche Panamera Diesel
Maße: L/B/H: 4970/1931/1418 mm. Radstand: 2920 mm. Leergewicht: 1880 kg. Ladevol.: 445–1263 Liter.
Motor: V6-Zylinder-Turbodiesel, 2967 ccm. 184 kW (250 PS), 550 Nm. 0–100 in 6,8 sec. Vmax: 242 km/h. Testverbrauch: 7,8 l/100 km. CO: 172 g/m lt. Norm.
Preis: ab 90.160 Euro
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2012)