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„... dass auch mir ein Diplomatenpass zweifellos zusteht“

Offener Brief an Bundesminister Spindelegger: „Auch ich habe für unser Land in der Fremde die eine oder andere Kleinigkeit geleistet.“

Sehr geehrter Herr Minister Spindelegger! Als aufmerksamer Leser unserer Zeitungen und Zeitschriften erfahre ich seit einigen Tagen, wem die Verwaltung unserer Republik einen Diplomatenpass ausgestellt hat. Wahrscheinlich wird es noch interessanter, wenn bekannt wird, wem sie einen solchen verweigert hat.

Jedenfalls haben einen solchen Pass nicht nur Berufsdiplomatinnen und -diplomaten, sondern eine – derzeit unüberblickbare – Reihe von Ministern und Funktionären in Ruhe, Geschäftemachern in Sachen Waffen, Ehepartner von ehemaligen Staatsorganen und so weiter. Es gilt die Unschuldsvermutung. Man könnte die Fantasie schweifen lassen. Aber warten wir noch ein paar Tage, wir werden uns wundern, wer aller im Besitz des weinroten Dokuments ist.

 

Noch nie mit Waffen gehandelt

Nun denke ich mir, sehr geehrter Herr Bundesminister, dass auch mir ein solcher Pass zweifellos zusteht, und deshalb beantrage ich ihn in aller Öffentlichkeit!

Ich war bis heute zwar noch nie Bundesminister, Staatssekretär oder Ehemann einer Ministerin, auch habe ich nie mit Waffen gehandelt und habe es auch nicht vor. Ich weiß, dass dies keine der rechtlichen Voraussetzungen für einen Privilegienpass ist, bin aber überzeugt, dass ich für unser Land in der Fremde doch immer wieder eine Kleinigkeit, und mag sie noch so unbedeutend sein, leiste und noch zu leisten gewillt bin.

Meinen medialen Antrag auf Ausstellung eines Diplomatenpasses der Republik Österreich will ich ordentlich begründen, weshalb ich Ihnen ein paar Kleinigkeiten zur Kenntnis bringen darf. Ich bin seit Dezember 1978 zu genau achtunddreißig literarischen Lesungen im Ausland eingeladen worden, beispielsweise im Centre Pompidou in Paris. Auch auf die Gefahr hin, eitel zu wirken, möchte ich die Begründung fortsetzen. Seit dem Mai 1992 habe ich im Ausland fünfzehn wissenschaftliche Vorträge gehalten, beispielsweise an der Stanford University im kalifornischen Palo Alto. Mir ist es ohnehin schon peinlich, es sei aber dennoch gesagt, dass ich wegen Übersetzungen meiner Bücher in die Vereinigten Staaten von Amerika, nach Deutschland, Italien und Slowenien reisen musste.

 

Auch meine Zeit ist kostbar

Die Aufzählung ließe sich umfangreich fortsetzen. Nicht immer wurde ich dabei höflich und respektvoll behandelt, worüber ich an dieser Stelle am 14. Juli 2011 („Das große Ausgreifen auf dem Airport“, „Die Presse“, S. 26) berichten durfte.

Einen Diplomatenpass brauche ich schon deshalb, damit ich – auch meine Zeit ist kostbar – beim Schlangestehen und bei langwierigen Kontrollen keine solche verliere und vor allem nicht wieder von irgendwelchen dienstbeflissenen Organen an Körperregionen berührt werde, an denen es unangenehm ist.

Ich hoffe, dass die Ausstellung rasch vor sich geht, zumal ich schon ab März einige Auslandstermine vereinbart habe, nämlich einen wissenschaftlichen Vortrag über das Richterbild bei Franz Kafka, eine literarische Lesung in der Kulturhauptstadt Maribor und Verhandlungen über ein Buchprojekt in Paris.

 

Ehrenwörtliches Versprechen

Einzig die Tatsache, dass ich für alle diese Aktivitäten meinen sogenannten Erholungsurlaub aufbrauche, könnte allenfalls hinderlich sein. Ehrenwörtlich verspreche ich die sofortige Rückstellung des Passes bei Einstellung meiner Aktivitäten als selbst ernannter und unbezahlter Kulturbotschafter unseres Landes.

Hon.-Prof. Dr. Janko Ferk ist Jurist, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler in Klagenfurt/Celovec. Er arbeitet derzeit an seinem Prosaband „Der Schneckenesser von Paris“.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2012)