Der Alpenverein feiert seinen 150.Geburtstag

(c) OeAV (Gerold Benedikter)
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Jubiläum für den Österreichischen Alpenverein. Sogar der rote Bundespräsident feiert mit dem schwarzen Bergsteigerverein. Auch Extrembergsteiger Gerfried Göschl trägt einen Teil zu den Feierlichkeiten bei.

Ein bisschen erinnert sein Auftritt an eine Schulaufführung. Der Tiroler Extrembergsteiger Gerfried Göschl kommt, stellt sich in historischer Bergsteigerrobe vors Publikum, nimmt ein Seil in die Hand und zieht so eine Snowboarderin, zwei Freizeitkletterer und den jungen Jakob Schubert, den österreichischen Gesamtweltcupsieger im Klettern, vors Podium. Dazwischen singt die Zitherspielerin Lissie Rettenwander „Edelweiß“ ins Mikrofon.

Das kleine Schauspiel, das vom Publikum mit Schmunzeln quittiert wird, hat seinen Grund: Der Österreichische Alpenverein (OeAV) wird heuer 150 Jahre alt – und lässt sich deswegen das ganze Jahr über feiern: Mit dem eigenen ÖBB-Zug „150Jahre Alpenverein“, einer eigenen Briefmarke und einer Durchquerung der Zentralalpen im kommenden Sommer. Ebenso gibt es eine historische Debatte über die Geschichte des OeAVs während der NS-Zeit (das Buch „Berg Heil“ wurde bereits veröffentlicht).

Auch Extrembergsteiger Gerfried Göschl trägt als Alpenvereinsmitglied seinen Teil zu den Feierlichkeiten bei, wenn auch auf indirektem Weg. Unmittelbar nach der Veranstaltung macht er sich auf den Weg nach Pakistan, um als erster Mensch im Winter den „Hidden Peak“, einen der 14 Achttausender-Berge zu überqueren. Ein Weltrekordversuch zum Jubiläum. Für seine Freunde beim Alpenverein hat er trotzdem noch den Zwischenstopp eingeschoben.


Der OeAV ist österreichweit der größte, weltweit der zweitgrößte Bergsteigerverein. Er zählt demnach zu den bekanntesten – und auch reichsten – Vereinen Österreichs. Mehr als 238 Schutzhütten besitzt der OeAV, gleichzeitig betreibt er ein Netz von 40.000Kilometern Wanderwegen und mehr als 200 Kletteranlagen wie die eben eröffnete Kletterhalle in Klosterneuburg. Nicht ohne Grund: Fast 70Prozent aller Alpenvereinsmitglieder werden mittlerweile in den Kletterhallen und nicht in den Bergen Österreichs rekrutiert. „Eigentlich haben wir sogar das Problem, die Leute wieder in die Berge zu bringen“, sagt Alpenvereinspräsident Christian Wadsack.

Um neue Mitglieder braucht er sich dennoch keine Sorgen zu machen. Jährlich wächst der Alpenverein um rund 14.000 Mitglieder. Die Mitgliederliste liest sich jedenfalls prominent. Abgesehen von österreichischen Spitzenkletterern wie David Lammer ist Schauspieler Simon Schwarz (der im deutschen Kletterfilm „Nordwand“ die Rolle des Willy Angerer gespielt hat) Mitglied, ebenso Skifahrerin Marlies Schild, Musiker Hubert von Goisern und Unternehmer Gernot Langes-Swarovski. Auch Karl Stoss, Generaldirektor der Casinos Austria, und – wenig überraschend – Fernsehmoderator Sepp Forcher zieht es in die Berge. Auch der Innsbrucker Altbischof Reinhold Stecher ist im Alpenverein engagiert. Genauso wie auch manche Politiker, allen voran Vizekanzler Michael Spindelegger, Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer und der Ex-Grünen-Bundessprecher Alexander Van der Bellen.


Zum Jubiläumsjahr darf sich der 1862 in der Wiener Akademie der Wissenschaften gegründete Alpenverein auch über die Schirmherrschaft der „Konkurrenz“ freuen. Bundespräsident Heinz Fischer ist Ehrenpräsident der „Naturfreunde“ – des um einiges kleineren SP-nahen Pendants zum traditionell eher schwarz dominierten Alpenverein. Die Zusage zum Ehrenschutz im Jubiläumsjahr kam trotzdem prompt.

Wer die Mitglieder der beiden Vereine übrigens unterscheiden will, der muss nur genau hinhören. Die Naturfreunde grüßen mit „Berg frei“, der Alpenverein mit „Berg heil“.

Auf einen Blick

Jubiläum. Im Jahr 1862 wurde der Österreichische Alpenverein (OeAV) in der Akademie der Wissenschaften in Wien gegründet. Heute ist der OeAV der größte alpine Verein Österreichs und der zweitgrößte weltweit. Der Verein ist in 195 Sektionen gegliedert, wobei der Hauptverein seinen Sitz in Innsbruck hat. Insgesamt hat der Verein 22.000 ehrenamtliche Mitarbeiter und 400.000 Mitglieder.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2012)


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