Österreicher planen im Dreiländereck mit der Slowakei zwei Mega-Projekte.
Wien. Was in Österreich politisch unmöglich zu sein scheint, erledigt Ungarn im Schnellverfahren: Damit die von einem Österreicher geplante Kasinostadt "Eurovegas" verwirklicht werden kann, wurde das Glücksspielgesetz geändert. Für die Konzession, die das staatliche Monopol umgeht, wurde eigens eine "erste Kasino-Kategorie" erfunden. Diese umfasst Kasinos mit mindestens hundert Spieltischen und tausend Einarmigen Banditen. (Klassische Kasinos sind jetzt "zweite Kategorie".) Öffentlich ausgeschrieben ist die Konzession für die Gemeinde Bezenye im Dreiländereck mit Österreich und der Slowakei. Ein Sprecher des Budapester Finanzministeriums bestreitet Bedarfsgesetzgebung: "Eurovegas ist nicht der einzige Interessent."
Bezenye wurde bisher zwei Mal in der "Presse" erwähnt: 1996, als dort ein österreichischer Gauner gefasst wurde, der 24 Jahre zuvor als "Stein-Ausbrecher" in die Kriminalgeschichte eingegangen war. Und heuer im Jänner: Die Casinos Austria prüften die Beteiligung an der Ausschreibung der Kasino-Konzession, hieß es. Allerdings sei die Wirtschaftlichkeit des Projekts "schwer darstellbar", wurde Casinos-Vorstand Paul Herzfeld zitiert.
Vor fünf Jahren wurde in dem 1500-Seelen-Ort Bezenye ein Industriepark geplant, wie es ihn im Grenzgebiet schon mehrfach gibt. In einem produziert etwa Nokia Handys für halb Mitteleuropa, in einem anderen übernahm Flextronics Auftragsproduktionen aller Art. Und auch an Einkaufszentren herrscht an der Grenze kein Mangel, von Hegyeshalom bis zum Designer Outlet Center in Parndorf gibt es (fast) überall (fast) alles.
Da kam der Österreicher Hans Asamer auf die Idee, eine Kasino-Stadt zu errichten. Als die Barmittel nicht reichten, wurde der stille Teilhaber ausgetauscht: Statt Joe, dem Vater der Pop-Sirene Michael Jackson, sprang John F. Groom ein. Der Präsident des "Cesar's Palace" in Las Vegas wechselte gerade als Geschäftsführer zu Ellis Gaming. Mit diesem US-Konzern und einer Gruppe um die Citibank bewarb sich Asamer um die Kasino-Lizenz. Laut Ausschreibung werden für die Konzession 20 Jahre lang je 3,5 Mrd. Forint (nicht ganz 14 Mill. Euro) fällig. Verkraftbar im Vergleich zu 460 Mill. Euro, die das Konsortium in fünf Kasinos und Hotels investieren will.
Bezenye ist nach Plänen eines anderen Österreichers gut und gern das Doppelte "wert": Der Immobilienhändler Alexander Finster will rund um die Kasinos eine "Erlebniswelt" mit Mini-Venedig, Almhütte, Puszta-Hof und der angeblich schnellsten Hochschaubahn Europas errichten, dazu Hotel-, Gastronomie-, Sport- und Wellness-Einrichtungen sowie ein gigantisches Einkaufszentrum. Kosten je nach Variante: 228 bis 460 Millionen Euro. Zwar weiß in Budapest niemand von einer Subvention in Höhe von 49 Millionen Euro, über die das Magazin "Format" berichtet hat. Aber laut Finster läuft alles auf Schienen.
Die Investoren - Finster hält 75 Prozent an der Projektfirma Lukale, der Rest gehört der Investmentbank Merrill Lynch - rechnen mit acht Millionen Besuchern pro Jahr. Insgesamt sollen in beiden Anlagen gut fünf Mal so viele Menschen beschäftigt werden, wie Bezenye Einwohner hat.
Im Moment sind bei Lukale aber eher die Anwälte beschäftigt. Denn die Erlebniswelt soll auf Grund errichtet werden, der Asamer gehört. Obwohl es laut Finster eine Option auf 153 Hektar gibt, wird die erste Bauphase der Kasinostadt ausgerechnet auf jenem Areal geplant, das ursprünglich Lukale verkauft werden sollte.
Ein gutes Geschäft machten die Einheimischen: "Herr Asamer zahlte für Boden, der wegen des Schotters landwirtschaftlich unbenutzbar ist, mindestens 1,5 Millionen Forint pro Hektar." Insgesamt erwarb Asamer laut Bürgermeister M¡ty¡s Schmatovich 340 Hektar. Selbst wenn die Projekte scheitern - "für Bezenye zahlt sich Eurovegas in jedem Fall aus".
Bezenye war zur KP-Zeit Sperrgebiet. Mangels Reisefreiheit in der CSSR wurde die Straße M 15 zur Grenzstation Rajka eher lokal genutzt. Heute verbindet sie Bratislava (Pressburg) und Györ (Raab). Jetzt soll eine eigene Abfahrt von der Autobahn M 1 dafür sorgen, dass auch Wien und Budapest zu einer schnellen Anbindung ans große Kasino-Geld kommen.